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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
87
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Antommarchi

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hob sich durch die Begünstigungen, die er demselben gewahrte, und es öffneten sich dieerfreulichsten Aussichten für Irland, als Wellington ihn im Jan. 1829 zurückrief.Der Marquis nahm seinen Sitz im Oberhaufe ein und sprach wahrend der Verhand-lungen über die Emancipation kraftig zu Gunsten der Katholiken. Das Ministeriumindessen, welches die Emancipationsbill durchgefetzt hatte, schien fast erschreckt über dasbegonnene große Werk und blieb auf halbem Wege stehen. Dieser Umstand konntegefährlich werden, da die Oranienmänner, die bigotten Protestanten, über ihre Nie-derlage wüthend, die Katholiken aber in ihren Erwartungen bitter getäuscht waren.Die Reibungen der Parteien begannen von Neuem; die Regierung schien fast ganzauf der Seite der Protestanten zu stehen und that einen Misgriff nach dem andern.Schon floß in mehren Theilen des Landes Blut, und der Krieg hegen Pachtschillingeund Zehnten nahm einen furchtbaren Charakter an. Man nahm den Freisassen, die40 Schillinge an Renten bezahlten, das Wahlrecht, daher die großen Landbesitzer,welche ihre Besitzungen in kleine Theile zerstückelt und an Pachter abgegeben hatten,um über viele Stimmen verfügen zu können, sich dieser Pachter wieder entledigten.Tausende kamen so um Obdach und Nahrung, und das Land wimmelte von Bett-lern und Unzufriedenen, die schon mit dem Plane umgingen, die Grundeigcnthümerzu verjagen und sich ihrer Güter mit Gewalt zu bemächtigen. Unter diesen Umstän-den sah man sich gezwungen, Lord A. abermals die Regierung Irlands zu übertra-gen. Die Aussichten waren nichts weniger als günstig. Er kam in das Land als derErbe aller der traurigen Folgen, welche die falsche Politik der Tories veranlaßt hatte,und sollte vor Allem einen agrarischen Aufstand beseitigen und sich der Repealers(d. h. der Freunde des Widerrufs der Union) versichern. So hatte er die mächtigenund erbitterten Oranienmänner einerseits, die Ultrakatholiken auf der andern Seitezu bekämpfen. Die Kraft seines persönlichen Charakters, die Standhaftigkeit, Ent-schiedenheit und Redlichkeit seines Benehmens Eigenschaften, die noch kein Vice-könig von Irland in diesem Grade entwickelt hatte beschwichtigten den drohen-den Sturm für den Augenblick. Wenn die irische Reformbill den Beifall der Volks-führer erlangt und besonders auch der Druck der Zehntenerhebung aufhört, dürfteLord A. bei seinen tresslichen Eigenschaften der wahre Beglücker des armen Ir-lands werden. (5)

Antommarchi, Arzt Napoleons auf St.-Helena. Er stammt aus Cor-sika. Seine Anstellung als Professor der Anatomie in Florenz verließ er, um dengeächteten Kaiser zu pflegen. Cardinal Fesch bot ihm einen Jahrgehalt an, den eraber ausschlug. Bei seinerAbreise machte ihm die toscanische Polizei große Schwie-rigkeiten. Als er auf der Insel ankam, konnte er Napoleons Vertrauen nichtsogleich gewinnen, aber es wurde bald anders. Er pflegte den Kaiser bis zu seinerletzten Stunde, erhielt durch dessen Testament eine Verschreibung von 100,000Francs und den Auftrag, die kaiserliche Leiche zu öffnen, den er aber nicht erfül-len konnte, weil Hudson Lowe es nicht zugab. Nach Europa mit einer Empfeh-lung von Napoleons Hand an Marie Louise zurückgekehrt, beschrieb er in einem viel-bekannten, in französischer Sprache abgefaßten Werke (Paris 1825) die letztenMomente Napoleons. Es ist dies, wie die Schriften vonO'Meara und Las Cases,ein hochwichtiger Beitrag zur Geschichte des neuen Prometheus. Seitdem lebteA. in Paris als praktischer Arzt und vollendete seine schönen, aber sehr theuren ana-tomischen Tabellen, die er einst zu Florenz in Gemeinschaft mit Morgani begonnenharte. Als Polen im Blute schwamm, verließ der berühmte Arzt, der schon zu alternbeginnt, die einträgliche pariser Praxis, seine wissenschaftlichen Arbeiten und dieVergnügungen der französischen Weltstadt. Er gelangte nicht ohne Mühe nachWarschau, wo die dankbare Nationalregierung ihm die Leitung der ärztlichen Anstal-ten übergab. Noch schwieriger war seine Rückkehr nach Frankreich, besonders dieReise durch Hessen-Kassel, wegen der Cholera, oder wie man in Paris glaubt, auch