Algier
und beui Dey unter folgenden Bedingungen zu Stande. Das Fort der Casars- die Citadelle, welche die oberste Spitze der Stadt schließt), alle andere Fortsundder Hafen von Algier wurden den französischen Truppen um zehn Uhr Morgensübergeben; der Dey behielt fein Eigenthum und konnte sich nach einem von ihm zubestimmenden Orte zurückziehen; dasselbe wurde allen Soldaten der türkischen Mi-liz zugesichert; die Ausübung der mohammedanischen Religion und die Freiheit,sowie das Eigenthum der Bewohner aller Classen blieben unverletzt. So wehte umzwei Uhr Nachmittags die französische Fahne auf dem Palaste des Dey. Mehr als4500Kanonen und 17algierische Kriegsschiffe sielen nebst einemSchatze von'70—öl) Mill. Fr. in Gold in die Hände der Franzosen. Es wurde nicht geplündert, derSchatz (Hazrah) nicht angerührt, sondern sogleich der Finanzcommission über-geben. Die Untersuchungscommission erklarte nach dreimonatlichen Nachforschun-gen die Sage von der Beraubung der Casauba für eine grundlose Verleumdung.In der zwanzigtagigen Erpedition waren 245 Offiziere und 3150 französischeKrieger geblieben. Der Dey schiffte sich am 11. Iul. mit seinem Vermögenund einem Gefolge von 118 Personen nach Mahon ein. (S. Hussein.)Die türkische Miliz, welche einen Aufruhr zu erregen versucht hatte, wurde nachAsien eingeschifft. Graf von Bourmont erhielt von seinem Monarchen denMarschallsstab, und der Admiral Duperre die Pairswürde. — In derselbenZeit waren kleine Expeditionen mit Gesandten nach Tunis und Tripolis ab-gegangen. Diese schloffen mit Tunis einen Vertrag am 8. Aug. und mit Tri-polis am 11. Aug. 1830 ab, nach welchem jeder Pascha 800,000 Francs alsEntschädigung wegen Seerauberei an Frankreich bezahlte, und für sich und seineNachkommen dem Seeraube gegen jeden christlichen Staat, der mit der RegenzKrieg führt, entsagte; die Sklaverei der Christen, alle Tribute der europaischenStaaten und das Handelsmonopol wurden abgeschafft. Auch mußte der Ney vonTunis (seit 1824 Sidi-Hasom) die Insel Tabarca (die alte Colonie Tabarea), welchebis 1798 zu Genua gehört hatte, an Frankreich abtreten. Sie liegt der Küste vonTunis gegenüber, hat eine gute Bucht, einen sichern Ankerplatz, eine starke militairl-sche Lage und in der Nahe Korallenfischern.
Dieser glanzende Erfolg hatte auf die Wahlen in Frankreich keinen Einfluß;sie sielen sehr ungünstig für das Ministerium aus, und die Opposition erhielt in derWahlkammer die Mehrheit. Der Stur; der altern Linie des Hauses Bourbon sielmit der Verbannung des Dey von Algier in dieselbe Zeit. Das französische Heer inAlgier erkannte die neue Ordnung an, und schon am 17. Aug. wehte auf der Ca-sauba und den Forts die dreifarbige Fahne. Graf v. Bourmont begab sich mit sei-nen drei tapfern Söhnen — der vierte, Amedee v. Bourmont, war an ruhmvollenWunden in Folge des Gefechts am 24. Iul. gestorben — nach Mahon und vonda nach England zu Karl X. Sein Nachfolger war General Clauzel. Dieser über-nahm am 4. Sept. 1830 den Oberbefehl über die Colonie, welche jetzt nur eine mi-litairische Niederlassung war, über deren endliche Bestimmung die geheimen Unter-handlungen zwischen Frankreich und England noch fortdauerten. An demselbenTage kehrte auch Admiral Duperra mit der Flotte nach Toulon zurück. InAllem hatte das Erpeditionsheer durch Todte, Verwundete, Kranke und diezurückgekehrten Franzosen sich um 15,000 Mann vermindert. Jetzt erhob sichin Frankreich die öffentliche Meinung für die Beibehaltung und den Anbau derneuen Colonie. Der „Moniteur" sagte daher in seinem Berichte über Algiervom 16. Nov. 1830: „Der Obergeneral Clauzel ist nicht nur deswegen nachAfrika gesandt worden, um dort das Commando der Armee zu übernehmen,sondern auch um die Eroberung von Algier zu beendigen und Frankreich alle Vor-rheile zu sichern, die es in dem Besitze dieser großen Colonie finden muß. Es ist da-Nr ein Gluck, daß die Negierung eines Landes, welches zu behalten Frankreich ent-