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Erster Band (1832) A bis E
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Ägypten

Händen der untersten Beamten hatten bleiben sollen. Die Mangel der Provinze-Verwaltung machten besonders auch die Ergänzung des Heeres zu ciner dru^endenLast für das Volk. Sollten 12,000 Mann zum Dienste ausgehoben werden, stkamen 72 000 Köpfe ins Lager, darunter 30,000 Untaugliche und 22,000 Wei-ber Kinder und Greife, welche den, durch die Willkür launischer oder habsüchtigerBeamten zusammengetriebenem Dienstpflichtigen folgten, und oft auf mehre Wo-chen ihrer fernen Heimath und ihren hauslichen Erwerbsbeschäftigungen entrissenwurden. Mohammed Ali wählte auch hier mit gesundem Blicke das rechte Mittel,von dem Zustande der Provinzen sich zu unterrichten und Ordnung in die Civilver-waltung und Rechtspflege zu bringen. Es war eine in einem türkischen Staatemerkwürdige Maßregel, die er 1829 ergriff. Er ließ die Statthalter der Provin-zen, die Kiaschefs, die ersten Vorsteher der Städte und Dörfer, nach Kahira kom-men, um sich mit ihnen zu berathen. Die Versammlung bestand aus beinahe 200Mitgliedern, zu welchem auch die ersten Lehrer und Vorsteher der vier mohammeda-nischen Glaubensparteien gehörten. Die untern Provinzialbeamten kehrten nachdem Schlüsse der allgemeinen Berathungen in ihre Sprengel zurück, die übrigen Mit-glieder aber setzten ihre Sitzungen regelmäßig fort. Der Pascha ließ der Versamm-lung die allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten, besonders Alles, was Abgaben,Canalbau, Anlegung von Dämmen und Fabriken betraf, vorlegen, und Jeder durftefrei seine Meinung aussprechen, selbst Privatpersonen war es erlaubt, ihre Beschwer-den vor die Versammlung zubringen. Es wurde zu gleicher Zeit verfügt, daß in jederProvinz ein aus den angestellten Beamten bestehender Verwaltungsrath gebildetwerden sollte. In der Versammlung zu Kahira, dem Divan, war die vollziehendeGewalt vereinigt, und sie wies den Verwaltungsräthen in den Provinzen die Ge-genstände ihrer Berathungen an. Zur Vereinfachung des Rechnungswesens wurdedie Einführung der doppelten Buchhaltung verordnet, und die Verfügung gegeben,daß die Stellen von Rechnungsbeamten nur Eingeborene erhalten sollten, welcherGlaubenspartei sie auch angehören möchten, während seither nur Fremdlinge, Ar-menier, Juden und Griechen, dazu berufen wurden. In Kahira ward ein Archivfür die Staatsrechnungen angelegt. Für die Rechtspflege wichtig war die Abschaf-fung der Todesstrafe, die nur bei politischen Verbrechen und bei Diebstählen derKopten, die einige der ersten Staatsämter bekleiden, stattfinden, bei allen andernVergehungen aber in Zwangarbeit von verschiedener Dauer verwandelt werdensollte. Strafurtheile auf Zwangarbeit wurden allein dem Divan zugewiesen, vorwelchem aber jeder Angeklagte seine Verteidigung führen konnte. Um dieselbe Zeitward in Kahira eine praktische Verwaltungsschule zur Bildung von Provinzialbeam-ten gegründet. Der Vorsteher dieser Anstalt lehrte die Provinzialverwaltung, undein Dorfschulze (Sheikh el-Beled) unterrichtete im praktischen Landbau und in derAgriculturstatistik der Provinzen. Zur Erleichterung der Verwaltung wurde Mit-tel- und Unterägypten, nach den von dem französischen Ingenieur Coste und seinenägyptischen Zöglingen seit 1818 gemachten Vorarbeiten, in 16 Landschaften ge-seilt, die in Bezirke und Unterbezirke zerfielen. Unter allen Zweigen der Verwal-tung zeigt das Finanzwesen am meisten das Gepräge osmanischer Willkürherr-schaft. Außer dem Ertrage der Steuern und Zölle von eingeführten Waaren, flie-ßen der Regierung ansehnliche Einkünfte aus kaufmännischem Gewinn zu. DerPascha kauft die Landeserzeugnisse zu festgesetzten Preisen und überläßt sie oft mitgroßem Vortheile fremden Kaufleuten. Zu den einträglichsten Erzeugnissen gehörtdie Baumwolle, deren Anbau der Franzose Jumel einführte, und die jetzt seinenNamen tragt. Dieser wichtige Culturzweig hat das ganze Handelssystem Ä.'sverändert und bringt der Regierung unermeßlichen Gewinn. Jumel gründete zu-gleich mit großen Kosten für den Pascha eine Fabrik in Bulak, wo man die Baum-wolle durch Maschinen zu dem feinsten Garn spinnt und Aeuche webt, bleicht, färbt

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