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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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39
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Ägypten

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ternehmungen gewöhnt, mit europäischen Landern, besonders mit Frankreich, an-knüpfte, um die reichen Erzeugnisse seines Landes vorteilhaft zu benutzen, machtenihn immer mehr mit den Ideen einer in Ägypten unbekannten Civilisation vertraut.Der Gewinn, der ihm aus diesem Verkehr zufloß, trug dazu bei, seine Macht zu be-festigen, aber er wußte, daß die Pforte, die ihn (1806) nur ungern zum StatthalterÄgyptens ernannt hatte, ihn mit eifersüchtigen Blicken betrachtete, und die Kriegs-unternehmungen, in welche diese Eisersucht ihn verwickelte, dienten dazu, seineEntwürfe zu begünstigen. Mit der Politik, welche die Pforte gegen übermachtigeStatthalter gewöhnlich beobachtet, hatte sie dem Pascha den Krieg gegen die Wa-habi (s. Bd. 12) aufgetragen, aber wenn sie auch vermuthen konnte, daß der hoch-strebende Mann, einmal zum Kampfe gerüstet, zu weitern Unternehmungen fort-schreiten werde, so hatte sie wol nicht vorausgesehen, daß er sich ein europaisch geord-netes Heer bilden werde, welches ihn nur noch furchtbarer machen mußte. Nach derWiedereroberung der heiligen Städte Mekka und Medina zog sich der Krieg in derLandschaft Hedschas ohne entscheidende Erfolge in die Länge, bis Tussun Pascha,Mohammed's Sohn, endlich mit Abdallah Saud, dem Häuptlinge derWahabi,einen Wassenstittstand schloß. Beide Theile rüsteten sich zu neuen Anstrengungen.Um diese Zeit (im Iul. 1815) verordnete Mohammed die neue Einrichtung desHeerwesens, welche er, wie einstSelim III-, Nizam Dschedid (s. Bd. 7)nannte. Er gab den Befehl, daß die von seinem Sohne Ismail angeführten Kriegs-völker nach europäischer Weise geübt werden sollten. Die Soldaten murrten undnannten ihn den Christenpascha, und da die Offiziere ihren neuen Dienstpflichtennicht minder abhold waren, so erfolgte ein Aufstand. Mohammed mußte sich indas feste Schloß zu Kahira zurückziehen; die Stadt wurde der Schauplatz wilderGesetzlosigkeit, und obgleich Mohammed die Ordnung wiederherstellte, so schien esdoch, als sollte die neue Heerbildung aufgegeben werden. Die Gemüther beruhigtensich allmälig, aber der kluge Pascha wollte nicht sogleich wieder seine Entwürfe auf-nehmen und schickte 1816 ein neues Heer, wie die frühern aus unregelmäßigenKriegsvölkern bestehend, nach Hedschas. Sein angenommener *) Sohn IbrahimPascha war der Führer des Kriegszuges, welchem auch die aufrührischen Albaniersich anschließen mußten, die Mohammed's Entwürfe stören konnten. Ibrahimführte den Krieg, wiewol nicht ohne großen Vertust, doch mit Tapferkeit bis 1818,wo erDerajeh, die Festung derWahabi, eroberte und Abdallah Saud gefangennahm. Nach seiner Rückkehr waren noch viele unregelmäßige Kriegsvölker, Türkenund Albanier, in Ägypten, und theils die Absicht, diese Feinde seiner Entwürfe zuentfernen, theils die Hoffnung, reiche Schätze an Gold und Handelswaaren zu ge-winnen, bewog den Pascha, unter seinem Sohne Jsma'll 1820 ein Heer nach Sen-naar zu schicken, dem der französische Reisende Cailliaud (s. d.) folgte. EinigeMonate später zog ein Schwiegersohn Mohammed's mit einem neuen Heere ausÄgypten, um das zu Dar-Fur gehörige Kordafan zu unterwerfen, und mit diesemZuge verließen die letzten unregelmäßigen Kriegsvölker das Land.

Bald nach der Entfernung dieser unruhigen Scharen nahm Mohammed seineEntwürfe mit neuem Eifer auf. Er ließ in Oberägypten ein Lager einrichten, inwelchem die zur Führung neugeworbener Kriegsvölker bestimmten Offiziere gebildetwerden sollten. Der Oberst Seve, ehemaliger Adjutant des Marschalls Ney, wardaufEmpfehlung des französischen Consuls Drovetti, der Mohammed's ganzes Ver-trauen besaß, als Lehrer angenommen. Mohammed schickte in diese neue Kriegs-schule seine eigne Leibwache und die Mamlucken seiner vornehmsten Beamten.'Aus Frankreich langten Gewehre an, man machte hölzerne Trommeln, und dieSache kam bald in Gang. Später wurde dieses Vildungslager nach Assuan an der

*) So nennt ihn Planat in dem unten anzuführenden Werke.