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3 (1836)
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Sie war wild in dem unstaten Zigeunerleben aufgewach-sen, das die scheu lange vcrwittwete Mutter mit denSöhnen führte, so daß diese bereits alle den Gefängnissenanheimgefallen waren. Sie liebte das Rauchen, denBranntwein, das Fluchen, schlechte Gespräche und Lieder,sowie zügellose Freiheit. Bisweilen hatte sie im Asylebesicre Augenblicke, wo sie wirklich fühlte und bekannte,anders werden zu müssen. Allein nur zu schnell bekamenalle Leidenschaften eines ungezähmten Naturkindcs bei ihrwieder die Oberhand, ein frecher, unbändiger Trotz, daßsie sich vor Wuth auf der Erde herumwälzt^ eine glühendeNachsucht, worin sie drohte, die Angeberinncn ihrerschlechten Streiche des Nachts zu erwürgen, und eine solcheLust zu dem alten Landstreichcrlcbcn, daß wir, obgleichwir ihrer Jugend wegen Monate mit ihr Geduldgehabt, sie doch endlich an die Polizei ihres Wohnorteszurücksenden mußten.

Eine zweite, die wir nach dreimonatlicher Pfleaefortzuschicken genöthigt waren, eine lüderliche, nichr mehrjunge Person und Gewohnheitsoiebin», enthüllte allmähligeinen solchen Abgrund von Heuchelei, Wühlerei und Bos-heit, wie wir noch bei keinem andern Pflegling wahr-genommen hatten. Als sie im Anfang nach ihrer Auf-nahme die ernste Zucht im Asvlc bemerkte, beugte sie sichdarunter mit großem Gehorsam, war ein Muster desFleißes, der Dicnstsertigkcit und Brauchbarkeit zu allenArbeiten, sehr aufmerksam im Unterricht und anscheinendaußerordentlich hcilsbegierig. Hinter dein Rücken aberzettelte sie mit buhlerischer Verschmitztheit Liebschaften an,suchte die andern Pfleglinge dazu zu verführen, verspot-tete sie über ihr Lesen im Worte Gottes und suchte miteinem Gewebe von Lügen alle schuld von sich auf diesezu wälzen, voll tückischer Schadenfreude, wenn ihr dieszu gelingen schien.

Eine dritte, zum zweitenmal wegen Diebsiahls ver-urtheilt, und sicherlich gewesen, war im Asyle ziemlichfleißig und stille, aber voll tiefer Eigengercchtigkcit, undso voll Neid und Mißgunst, daß sie stets die andernPfleglinge sich vorgezogen glaubte, mit keiner Fürsorgefür sie zufrieden war, und zuletzt sich weigerte, den Dienst,den wir ihr ausgemacht, und in den sie zuerst gewilligt,anzutreten, wieder aus Misgunst über die vermeintlichHegern Dienste, die ihren Kameradinnen zu Theil ge-