— 16 —
Mittelpunkt und ihr Echo im ssournul st« I>!ö^o fanden. Durch sie begannen die Umtriebe, derenFäden die Königliche Regierung kennt. Es genügt bier zu sagen, daß ihr Mittelpunkt nicht inDeutschland war, und daß sie in Frankreich und Belgien ihren Stützpunkt hatten. Ein Klerus,der nichts von deutschen Verhältnissen und deutscher Bildung begreift, Deutschland und Preußenhaßt und offen anfeindet, und eine Zahl fanatischer Umtricblcr wollten die Katholiken Preußenszur Unzufriedenheit, unbekümmert, ob diese bis zur Empörung angefacht werden konnte, aufrufen,und benutzten für ihren Zweck die Angelegenheit der gemischte» Eben, indem sie ihre Unkenntnißder Sachlage durch Lügen und verfälschte Aktenstücke zu verbergen suchten.
Bei de» Bischöfen und General-Vicariate» machte dieser Angriff auf die von ihnen ange-nommene Auslegung und Anwendung des päpstlichen Breve keinen Eindruck.
Und offenbar, sobald man darüber einverstanden war, — und dies hat niemand in Deutsch-land in Abrede gestellt, — daß jedenfalls das päpstliche Breve nicht so verstanden und angewandtwerde» könne, daß überhaupt gar keine Trauung einer gemischten Ehe stattfinde, so ist es sehrleicht zu zeigen, daß nach dem Breve wie »ach der Instruction, die Norm, nach welcher in einigenFällen diese Einsegnung stattfinden soll, in andern nur die passive Assistenz, nicht das vorgan-gige Versprechen der Kindcr-Erziekung scyn kann. Vielmehr tritt an die Stelle dieses äußeren Schutz-mittels die, auf die deutschen Verhältnisse und den höheren Standpunkt der deutschen katholischenBevölkerung berechnete Prüfung des sittlichen und religiösen Auslandes im Brautcramen.
Die Abhaltung des Brauteramens und die danach zu erthcilende Entscheidung: ob diekatholische Trauung stattfinden oder nur die Dimissorialcn gegeben werden können ? blieb dem Gewissender Pfarrer und Bischöfe, nach Maaßgabe der Instruction von I8Z4 überlassen. Die Bevölkerun-gen von beiderlei Confession beruhigten sich bei dem Anblicke eines würdigen, billigen Verfahrens.Die katholische Kirche hatte keinen Grund, über die Folgen besorgt zu sey», wie die Erfahrung zeigte.
Diese Praris blieb also in der Kölner Provinz ungestört bis zum «onuncr des Jahres 1836,nämlich bis zum Eintritte des bisherigen Weihbischofs von Münster, Freiherr» Cl-emens Augustvon Droste zu Vischering in die erzbischöfliche Würde.
Der Bischof von Trier hat namentlich bis zu seinem Ende nicht allein keinen Anlaß gefun-den, irgend etwas an der von ihm freiwillig angenommenen und eingeführten Praris zu ändern,sondern er hat vielmehr seine Ueberzeugung von der Nothwendigkeit derselben, und wie die Kirchedadurch nicht bedroht werde, auf die feierlichste Weise in einem Berichte an das Oberhaupt seinerKirche ausgesprochen. Er sagt in diesem merkwürdigen Schreiben (Beilage II.), daß er seine Ueber-zeugung an den, Tage ausspreche, an welchem er den Leib des Herrn genossen, im Begriff aus dieserZeitlichkeit abzuscheiden.
Der würdige Bischof lebte aber, obwohl in der äußersten Erschöpfung, noch sechs Woche».
Wenn nun nach seinem Tode ein übrigens von ihm nicht geschriebenes, sondern nurunterzeichnetes Schreiben an den Papst, von seinem Todestage gestellt, zum Vorschein gekom-men ist, welches seine Gewissensscrupel über das hinsichtlich der gemischten Ehen Gcthane aus-drückt, so kann dem Urtheile der Verständigen und Unpartheiischen überlassen werde» zu beurtheilcn,ob einem solchen Ausdruck mehr zu glaube» sey, als seinem ganzen Leben, und der mit der Beru-fung auf die heiligste Handlung versiegelten, im Angesichte des Todes, aber noch bei voller Besinnung,niedergelegten, feierlichen und ausführlichen Erklärung. Angenommen, daß jenes zweite Schreibendem Sterbenden nicht in der Todesangst abgelockt sey, ließen sich seine Scrupel aus der von ihmbefolgten Anwendung des Artikels der Instruction über die Aussegnung der Wöchnerinnen erklä-ren, welche er als eine ganz unbedingte und zwingende Zulassung jenes Aktes verstanden zu habenscheint. Wie wenig die Regierung eine solche Auslegung im Sinne gehabt, wird sich aus demVerfolge der Erzählung ergebe».
z