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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
654
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054 Hör

Hör

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Er empfand es, daß er in diesemStük viel Vortheile üdcr die Großeilhatte.

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Mit eurer solchen Sinnesart konnteer fre ylich auf die Römer, wie voneiner Hohe herunter sehen, und ih-nen ihrc Thorhcilcn mit so viel Nach-druk vorwerfen.

Ein Mann von dieserArt war demAugusius nicht nur mm Umgangund zu philosophischen Ergötzlichkei-tcn wichtig, sondern er sah auch,daß er ihm zur Ausbreitung seinesRuhmes und zur Unterstützung seinerPolitik große Dienste leisten konnte.Eel geschah auf ausdrülliehes Ver-langen des Regenten, daß Horazseine und der Seinigcu Siege besang.Viele der schönsten Oden sind allerWahrscheinlichkeit nach auf dessenAngebung gemacht worden, um denRömern die Ruhe unter seiner Re-gierung, bisweilen auch, um seineVeranstaltungen und Gesetze, beliebtzu machen. Im Alter scheinet derDichter sich von dem Hofe etwas ent-fernt zu haben, um für sich zu leben.Er hielt sich damals meistens aufsemem sabinischen Landgut, ober inseinem tiburrinischen Lusthans auf,lebte als ein Philosoph, und kamviel seltener an den Hof, als manihn da zu sehen wünschte.

Alles dieses breitet ein ziemlich Hel-les Licht über den sittlichen Eharak-') Zerm. l. 6.

ter dieses Mannes aus. Er hatteGenie genug in der Dunkelheit einesniedrigen Standes sich die Einsichtenzu erwerben, und sich zu einer Sin-nesart zu bilden, die ihn den erstenMannern der Republik wichtig mach-ten. Hatten die Verthcidiger dcrFreyheic gesiegt, so würde er ohneZweifel ein ansehnlicher Mann, undeine Stütze des Staates gewordenseyn. Nachdem die Bemühungenfür die Erhaltung der Frcyhcit nichtnur völlig vergeblich worden, son-dern so gar dem Staat schädlich wür-den gewesen seyn, verlor er die Lastzu Geschafften, und unterwarf sichdem Schicksal. Er wurde von derherrschenden Parthey gesucht, undverbarg sich nicht vor ihr; wurdeaber auchuicht ihr Schmeichler. Daer selbst für den Staat nichts mehrthun konnte, wurde er erst ein blos-ser Zuschauer. Seine schärft Deur-lheiluugskraft und sein richtiges Ge-fühl zeigten ihm den verdorbenenCharakter seiner Mitbürger in einemlebhaften Lichte. Da die patrioti-sche Tugend nichts mehr helfen konn-te, suchte er die Privattugend zu un-terstützen. Es erregte seine Galle,daß die Römer, nachdem sie die po-litische Freyheit unwiederbringlichverloren hatten, sich noch selbst indie sittliche Sclavercy der Leiden-schaften stürzten. Er sah ein, daßauch unter der neuen Regicrungs-form ein Mitte! übrig war den Staatgroß und die Bürger glüklich zu se-hen, wcnn sie nnr selbst es seyn woll-ten. Ein großer Thcil seiner Ge-dichte zielt dahin ab, sie davon znüberzeuge», und sie von dem völli-gen Verderben zn retten; sein eigenesLeben gab ihnen das Leyspiel dessen,was er von ihnen forderte. Diesegroße Art zu denken, mit einem sehrlebhaften poetischen Genie verbunden,machte ihn zn einem Dichter, der aufden wahren Zwek der Kunst arbeitete.Diesen moralischen Schwung kann

man,