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dürfnissc, als die unmittelbaren Be-dürfnisse der Natur, keine Güter,als ihre Gaben, und was zum Zeit-vertreib ihres müßigen Lebens dienet.Ihrc Hauptlcidenschaft ist Liebe, abereine Liebe ohne Zwang, ohne Ver-stellung, und ohne platonische Ver-edlung. Ihre Künste sind Leibes-übungen, Gesang und Tanz. IhrReichthum ist schönes und fruchtba-res Vieh; ihre Gerachschaft einHirtenstab, eine Flöte und ein Be-cher. Also sind die Hirtcnlicder Ge-mahldc aus der noch ungekünsteltensittlichen Natur, und desto reizender,weil sie uns den Menschen in der lie-benswürdigen Einfalt einer natürli-chen Sinnesart vorstellen.
Es gicbt eine Gattung der Hirtcn-licder, die ganz allegorisch ist. DerDichter, der von sich selbst, von sei-nen Angelegenheiten, von seinemCchiksal zu sprechen hat, nimmt diePerson eines Hirten an, und suchtin dem Hirtenstand die Bilder auf,die durch Aehnlichkeit dasjenige mah-len, was er ausbrüten will; so wieder Fabeldichter in der thierischenWelt die Bilder der sittlichen Hand-lungen sucht. Dieses gicbt ihm dieBequemlichkeit, von sich selbst, vonseinen Freunden, Wohlthatern, undvon seinen Feinden, auf eine feineArt zu sprechen, Lob und Tadel aufeine verdektc und darum nachdrükli-chcre Weise anszutheilcn. Fürtreff-liche Beyspiele dieser Art haben wiran einigen Eklogen des Virgils, für-nehmlieh an der ersten und zehnten;an den Idyllen der Frau des Hou-lieres, die man nicht ohne innigsteRührung lesen kann. Diese Gat-tung kann sich bis zum erhabenstenInhalt empor schwingen, wie wiran Popens Messias sehen. Diesesscheinet die Kineste Gattung der Alle-gorie zu seyn.
Da einer unsrer berühmtesten undgrößten Dichter mir vor etlichen Jah-ren seine Gedanken über die Idylle
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zugeschikt hat, so will ich sie mit sei-ner Erlaubniß hier ganz einrüken.
„Die Muse hat zu allen Zeiten dieländlichen Sccncu und das kunstlose,freye und anmuthige Landleben ge-liebt. Vcrmuthlich hat eben dieseglükliche Lebensart der ältesten Men-schen der Poesie den Ursprung gege-ben. Die schone Natur mit allenihren lieblichen Abwechslungen unddie Frcyheit, die uns in den unge-störten Genuß ihrer Gaben stich, flös-sen dem Menschen eine Fröhlichkeitein, die manchmal zu einem so ho-hen Grad steigt, daß sie seine ganzeSeele begeistert, seine Embildnugs-kraft erhitzt, und alle seine Glied-maßen mit reger Munterkeit durch-dringet. In diesem süßen Taumelangenehmer Empfindungen ergießtsich unsre Stimme von sich selbst inungclehrtc Töne, die unsre Frenkeausdrükcn und auch auf andre einechmpathctischeWürkung thun. Die-ses war ohne Zweifel der erste Ur-sprung des Gesanges, welcher dannbald auch die Dichtkunst hervorbrach-te, die anfangs nur in kunstlosenLiedern bestand, worin die Menschendie Rührungen ausdruktcn, welchedie Natur, die Freyheit und die Lie-be, die Quellen ihrer Glükseligkeit,in ihnen hervorbrachten. Der Wett-eifer mußte diese Empfindungen derNatur, schnell zu immer höhernGraden der Vollkommenheit forttrei-ben. Was anfangs regellose Ver-suche, oder vielmehr Würkungen desInstinkts waren, wurde nach undnach zur Kunst; man fieng an, überden Ausdruk der Empfindungen zuraffinircn, die Gemahlde der schö-nen Gegenstände, wovon man ge-rührt war, besser auszubilden, dengeheimem Schönheiten derselbennachzuspühren, und die Worte aufeine woiklingcnde Art zusammen zuordnen. Die anfgewekten Köpfe,welche die Natur mit dem poetischenGeist vorzüglich begäbet hatte, über-trafen