Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
503
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durch Einführung höherer Machteübernatürlich und wunderbar ma-chen soll. Denn auch menschlicheHandlungen können groß seyn undBewunderung erweken, wenn nurdas Genie des Dichters groß ge-nug ist. Das, was die Götter inder Jlias thun, ist nicht das Wun-dcrbareste; man kann es wegneh-men, und doch wird alles groß blei-ben. Wenn aber ein Dichter vongemeinem Genie seiner Handlungdurch übernatürliche Machte, odergar durch allegorische Personen denAnstrich des Wunderbaren geben will,so wird er eher frostig, als groß.Und eben so wenig wollen wir ihmüber die Zeit, den Ort und die Dauerder Handlung, willkührliche Regelnvorschreiben; sondern ibn gern unterdie Zahl der guten epischen Dichteraufnehmen, wenn er nur das We-sentliche geleistet hat.

Was wir hier über dasHeldenge-dicht angemerkt haben, betrifft ei-gentlich die große Epopöe, die eineganz wichtige Handlung besingt, unduns mit Personen von außerordent-lichen Gcmüthskraftcn und von er-habenem Charakter bekannt macht.Man kann aber den epischen Tonund die epische Behandlung auch aufGegenstände von mittlerer Größe an-wenden , und daher entsteht die klei-nere Epopöe, die noch immer sehrinteressant seyn kann, wenn sie unsgleich die Menschen nicht auf derhöchsten Stufe zeiget. Von dieserArt sind aus dem Alterthum, dasGedicht des Musaus von Hero undLeander; die geraubte Helena desColnthus und andre. Von unferneinheimischen Gedichten verdienet indieser Classe Dovmers Jacod alsein Muster angeführt zu werden.Die Anwendung der epischen Be-handlung ans kleine Gegenständemacht eine besondere Gattung derEpopöe aus, die man das scherz-

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hafte, oder römische Heldengedicht-nennt *).

Die große Epopöe ist ohne Zwei-fel das wichtigste und höchste Werkder schönen Künste; die Alten habendie Jlias und die Odyssee für dieQuellen gehalten, woraus Feldher-ren, Staatsmanner, Bürger undHausvater die Weisheit ihres Stan-des schöpfen können; sie fanden dar-in die Muster des Trauerspiels unddcr Comödic; sie glaubten, daß Red-ner, Mahlcr und Bildhauer dasWesentlichste ihrer Künste daraus zulernen haben: und dieses ist inWahrheit nicht übertrieben. Es istkeine Art der Würkung von irgendeinem Zweig der Künste zu erwarten,die der epische Dichter nicht in seinerGewalt hatte; und das Gute, wasdie verschiedenen Dichtungsarten ein-zeln enthalten, findet sich auf einmalin der Epopöe zusammen. WelcheGattung des Unterrichts und derLehre kann von redenden Künsten er-wartet werden, die nicht der epischeDichter auf das vollkommenste ge-ben könnte? Und wo ist jemal einvollkommenerer Redner gewesen alsHomer? Was kann von Gemähl-dcn und Schilderungen erwartet wer-den, davon nicht dieBeyspielebcymHomer zu finden waren ? Hat nichtPhidias, der das höchste Werk derbildenden Künste hervorgebracht hat,gestanden, daß er es dem Dichterschuldig sey? Wo ist irgend eineVorstellung, die die Seele erhebenund zu der äußersten Anstrengungihrer Kräfte reizen kann, oder ver-mittelst welcher die stärkste Leiden-schaft im Zaum zu halten ist, dienicht der epische Dichter natürlicher,als jeder andre in das Gemüth prä-gen könnte? Darum gebühret demgroßen epischen Dichter der Vorzugüber alle Künstler, und dem Helden-

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') S. Scherzhaft.