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Bey allen diesen Stäken machtder Hauptsatz immer das Wesent-lichste der ganzen Sache aus: seineErfindung ist das Werk des Genies;die Ausführung aber ein Werk desGeschmaks und der Kunst. Ist derTouseyer in dem Hauptsatz nichtglüklich gewesen, so kann er, wenner sonst die Kunst wohl versteht, einsehr regelmäßiges und sehr künstli-ches, auch vollkommen wolklingen-des Stük machen; aber es wird ihman der wahren Kraft, dauerhafteEmpfindungen zu erwekcn, fehlen.
Die vornehmste Eigenschaft desHauptsatzes ist eine hinlänglicheDeutlichkeit oder Verständlichkeit desAusdruks, so daß der, welcher denHauptsatz gehört hat, ohne Unge-wißheit sogleich diese Sprache desHerzens verstehe, oder steh in dieEmpfindung dessen, der singet, se-tzen könne. Ist die Empfindungnicht völlig bestimmt und verständ-lich, so kann das Srük nie ein ganzvollkommenes Tonstük werden, wennes auch von dem ersten Tonsetzerder Welt ausgeführt würde. DieseVerständlichkeit hängt sowol vondem Gesang oder der melodischenFortschreitung, als von der Bewe-gung und dem Takt ab, und ist,wie gesagt, gänzlich das Werk desGenies, zu dessen Erfindung keineRegel kann gegeben werden.
Indessen ist das Genie allein nichthinreichend dem Hauptsatz alle Voll-kommenheit zu geben, auch die Kunstmuß das Ihrige dabei) thun; dennalle Eigenschaften, die nicht unmit-telbar zum Verstand des Ausdruksgehören, hangen eigentlich von derKunst ab. Der Hauptsatz muß einegewisse Länge habe: ist er zu kurz,so verträgt er die nöthigen Verände-rungen und die zu den Wiederholun-gen crfoderliche Mannigfaltigkeit derWendungen nicht; ist er zu lang,so bleibet er im Ganzen nicht dcut-lich'-gcnug im Gedachtiiiß. Er kann
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also in geschwinder Bewegung nichtwol unter zwey, und in langsamerBewegung nicht wol über vier Tak-te scyn. Hat der Tonsetzcr einenGedanken von sehr verständlichemAusdruk gefunden, so muß er ihm,in Absicht auf die Lange, die gehö-rige Ausdehnung oder Einschrän-kung zu geben wissen. Bei) langernHauptsätzen, die aus mehrern klei-nen Einschnitten bestehen, muß ersehr sorgfältig scyn, den genauestenZusammenhang darin zu beobachten,damit der Hauptsatz eine wahre Ein-heit habe und nicht aus zwei) an-dern zusammengesetzt sey; man mußkeinen Schluß darin fühlen, bis erganz vorgetragen ist. Hiezu gehörtalso Kunst und Uebcrlegung.
Ferner müssen schon in dem Haupt-satz die Gelegenheiten liegen, die klei-nen Zwischensatze anzubringen, wo-durch die schönste Abwechslung imGesang erhalten wird. Diese Zwi-schensätze kommen insgemein auf diekleinen Ruhepunkte, oder auf etwasanhaltende Töne des Hauptsatzes,und müssen die Empfindung näherund genauer bezeichnen. Darummuß der Hauptsatz die Empfindungnur im Ganzen und überhaupt schil-dern und Gelegenheit geben, daß diefeinere Auszeichnung könne dazwi-schen gesetzt werden, und daß diesesmit der gehörigen Abwechslung ge-schehen könne, ohne daß die Einheitdes Rhythmus das geringste dabeyleide.
Diese Zwischensätze treten biswei-len erst am Ende des Hauptsatzesein. Also gehört auch da Kunst da-zu, daß bey den hernach folgendenWiederholungen alles in eine natür-liche und leichte Verbindung könnegebracht werden.
Wer blos für Instrumente setzt, fin-det hierin weniger Schwierigkeit, alswo über einen Text cowponirt wird.Denn hier muß alles, die Bewegungund die Länge des Satzes, die klei-
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