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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
414
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schmak, und bald mochte man sagen,eine gute oder schlechte Art zu denkenüberhaupt, können schon durch dieBekleidung vorgestellt werden. Esgiebt, wie bekannt, Kleider der fest-lichen Freude und der Trauer; undwie oft zeiget nicht schon der Zustandder Kleider eine durch Leidenschaftverwirrte Seele an?

Dieses kann hinlänglich seyn denKünstler zu überzeugen, wie wichtig' es sey, die Kunst des Gewandes zustudiren. Wo aber irgend ein Theilder Kunst von Genie und Geschmakabhangt, so ist es dieser, weil dasStudium der Natur selbst von keinergroßen Hülfe scyn kann. Man siehtselten andre Kleider, als die, welchedie Mode verordnet; diese sind ge-meiniglich nicht nach dem Geschmakdes guten Künstlers. Er muß mei-sienthcils die Gewänder selbst erfin-den , und seinen Gliedcrmann damitbekleiden. Dabei) ist er in vielenFällen durch das Ucbliche, das manin Kleidern nicht immer übertretenkann, gebunden. Diesen Schwie-rigkeiten hat mau es zuzuschreiben,daß sehr wenig Künstler es in diesemTheilc zu einer gewissen Vollkommen-heit gebracht haben. Alle cinzcleThei-le der Kunst vereinigen sich in diesem.Man muß ein starker Zeichner undein guter Coloriste scyn, man mußden feinesten Geschmak für das Scho-ne der Formen, ein zartes Gefühlfür alles, was irgend die sittlicheKraft der Dinge unterstützt, einefruchtbare und lebhafte Phantasiehaben, um hierin das Vollkommenezu erreichen. Blos die gute Behand-lung derFalten allein, was für gros-sen Schwierigkeiten ist sie nicht unter-worfen 5) ? Darum ist auch Raphaelsgroßes Genie hierin weiter gekom-men , als andre Mahler.

Es wäre ein sehr vergebliches Un-ternehmen, über eine Sache, wo esso ganz auf Genie, Geschmak nndS. Falten?

G e w

Empfindung ankommt, besondere Re-geln aufzusuchen. Nothwendig aberwar es, den jungen Künstler auf dieWichtigkeit dieser Sache, und dengroßen Antheil, den die Gewänderan der Schönheit eines Gemähldeshaben, aufmerksam zu machen, da-mit er diesen Theil der Kunst nichtverabsäume, sondern ein langes undernsthaftes Studium darauf wende.

Die Form der Gewänder, ihrenSchwung und ihre Falten kann manaus Zeichnungen und Kupferstichengenugsam erkennen. Also ist dieseseines dcr Hüsi'smittel zuBildung desguten Gcsehmaks der Gewänder.Dazu kann man auch gute Zeichnun-gen der Kleidcrtrachteu fremder, be-sonders asiatischer Nationen brau-chen. Weil wenig Menschen sich mitErlernung mehrerer Sachen zugleichabgeben können, so möchte man im-mer einem jungen Künstler rathen,das Studium dieses Theiles eineZeitlang besonders zu treiben.

Von Gewändern handeln, unter mch-rcrn, ausführlicher, Leonardo da Vinci,im z;z u. f. Kap. S. >-; u. f. der sranzöf.Ausg. von 1561. t'. Dupuy duGrezin demT>. lur In peinture, l'oul. 1699. 4.

S. 101 u. f. S. zw u. f. De Piles indem Lours cie l'einrure, S. 8> U, f. derAM. Ausg. von 1756.12. und in den Lonv.ile ls l'einrure, Oeuvr.B .IV. S. 52 U .f.

> Coypel, in den Oitd. äs?einc. eräe Sculpr. ?ar. l /2i. 4. S. l >5U. f.---»Laircsse, im aten und zten Kap. des I VtcnBuches s. großen Mahlcrbuchcs, von denEigenschaften, Art und Farbe der Gewän-der. Einzele feine Bemerkungen, be-sonders über den Unterschied der Gewänderin Mahlcrey und Bildhauerei), in Hage-dorns Betrachtungen. Betrachtungenüber die Gewänder des Rafael, Torreggi»und Titian, in den Opere cli UenZx,V. 1. S. 65 U. f. ---

Gewvlb.