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lieh mehr, als die Worte würklichausbrüten?
Hieraus folget, daß ein Gemahld,wenn nur die Hauptsache hinläng-licheKrast hat, sowol in der'Anord-nung, als in der Ausführung merk-liche Fehler vertragt.
Dieses soll aber nicht gesagt seyn,nm die Nachlässigkeit der Künstler,oder ihr Unvermögen, in einigenThcilcn der Kunst, zu entschuldigen:in einem vollkommenen Gemahldemuß auch der geringste Theil derKunst beobachtet seyn. Die Absichtdieser Anmerkungen ist, dem Künstlereinen Wink zu geben, bei) seiner Ar-beit vor allen Dingen auf die Haupt-sache zu sehen, und erst, wenn er die-se erreicht hat, jeden andern Theilder Kunst zu Hülfe zu rufen. Ebendiese Maxime muß auss' der Kennerzur Beurthcilung eines Gcmahldeszum Grund legen.
Was diese Hauptsache sey, ist nichtschwer zu sagen. Wenn der abge-wählte Gegenstand in der Naturselbst unsre Aufmerksamkeit nicht ver-dienet, so kann das Gemahlde füreinen wahren Kenner nie von großemWeiche seyn, was auch immer dieLiebhaber des blos Mechanischen derKunst sagen mögen. Zur Haupt-sache geHort also vor allen Dingenein in seiner Art interessanter Gegen-stand. Warum sollen Dinge gcmahltwerden, die in der Natur Niemandzu sehen verlangt? Vielleicht um dieKunst der Nachahmung zu zeigen,die doch immer gefällt? Aber wer sogut nachahmen kann, der ahme Sa-chen nach, die schon an sich etwasMerkwürdiges haben. Man kannan einen Mahlcr, der seine Kunstauf unnütze Dinge anwendet, ohn-gefehr die Frage richten, die CäsarLeuten gethan, die kleinen Hundenalle Arten von Liebkosungen erwie-sen: haben denn diese bellte keineRinder, die sie küssen könnend Dieerste Probe des guten Geschmaks,
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muß der Mahler durch die verstän-dige Wahl seiner Materie ablegen.Dadurch muß er zeigen, daß er nichtKinder, oder kindisch gesinnte Men-schen, sondern Männer von Ver-stand und Geschmak, mit seiner Kunstunterhalten will. Wer sich in Ge-sellschaften einmischen will, wo Per-sonen von erhöhtem Charakter undvon hohem Einsichten sich befinden,der muß da nicht mit pöbelhaftemGeschwätz erscheinen, sondern Sachenvorzubringen wissen, die solche Per-sonen aufmerksam machen können.Eben dieses muß auch der Mahlcrbeobachten, der eigentlich nie mitdem gemeinen Haufen spricht ').
Ist der Gegenstand in seiner Artgut gewählt, so muß die nächsteSorge des Künstlers auf einen rich-tigen und lebhaften Ausdruk dessel-ben gehen; er muß nun seine ganzeAufmerksamkeit darauf richten, so-wol dem Ganzen, als jedem Theileseinen wahren Charakter so zu geben,daß jeder, der das Gcmähld ansteht,ihn sogleich lebhaft empfinde. Stelltdas Gemahld handelnde Menschenvor, so muß man auf den erstenBlik würkliche Menschen, nicht steifeoder grob aus Holz geschnittene Fi-guren sehen; jede Stellung und Be-wegung muß völlig natürlich seyn;man vermißt lieber die Schönheit,als das Natürliche. Ucber die Hand-lung selbst und über den Charakterder Menschen, über das , was jederbei) der Handlung empfindet, undüber den Antheil, den er darannimmt, muß mau keinen Augenblikungewiß bleiben. Dieses ist,^ wasMcngs die Deutung des Gemähldesnennt **), und wovon er sagt, daßRaphael allemal zuerst auf dieselbegedacht habe. Hat der Künstler,nachdem er in der Wahl dcrMatcriöglüklieh gewesen, das Nothwcndige
dieser
*) S- Wahl der Materie.
"') S. ITH. Anordnung S.ij- f.