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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
313
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ficht einige Grundsatze und Maximenzu entdeken, auf welche das Urtheilüber die Schönheit oder Vollkom-menheit der Gebäude sich allemalgründen muß.

Die Werke der Kunst haben diesesmit einander gemein, daß der Stoff,den sie bearbeiten, außer der Kunstliegt, von ihr aber seine Form und Be-arbeitung bekommt"). Der Stoffdes Dichters ist etwas, das auch diegemeine Rede vortragen könnte;durch die Forin und die besondere Artdes Vortrags aber wird er zum Ge-dieht. So ist ein Gebäude allemalein Werk, das auch außer der Kunstnoch sein Wesen hat; ein Haus wür-de auch ohne allen Einfluß der Kunst,in so fern sie vom Gcfchmak geleitetwird, noch immer ein nutzbaresWerk seyn.

Hieraus folget, daß ein Gebäudenicht anders, als in Rüksicht aufdas, was es auch ohne die Kunstseyn würde, müsse beurtheilet wer-den. Man kann es nicht blos wieeine schöne Form ansehen; es ist alle-mal ein Werk zu gewissem Behuf be-stimmt. Will man es als ein Werkder Kunst und des Geschmaks beur-rhcilen, so kömmt es nichc daraufan, ob es überhaupt eine schöneForm fey, sondern, ob es bei) denwesentlichen Eigenschaften, die es,außer der Kunst betrachtet, habensoll, auch schön genug scy. Der-jenige ist ein guter Baumeister, derdie wesentliche Absicht, in welcherdas Gcbäud aufgeführt wird, voll-kommen erreichen, zugleich aber demWerke jede ihm zukommende Schön-heit geben kann.

Vor allen Dingen muß also jedesGebäude seinem Endzwek gemäß an-gelegt seyn. Seine Lage, so wie dieStarke und äußerliche Form, müs-sen durch ihn bestimmt werden. EinRathhaus müßte nicht in einem^Vinkel der Stadt angelegt, in sei-

*) S. Werke der Kunst.

ncr Form nicht wie ein Gefaugniß,und in Ansehung seiner Starke "nichtwie ein Gartenhaus, aussehen.

Eben so müssen von außen undvon innen die Verhältnisse und dieVerzierungen, so wie die Anordnung,nicht nach zufälligem Gutdünken oderphantastischen Einfällen angegeben,sondern ans der Natur des Gebäu-des durch ein gründliches Urtheilund einen gesunden Geschmak be-stimmt werden. Die Verhältnisseder Theile, die für eine Kirche, oderfür einen großen Pallast gut waren,schikcn sich nicht für ein Privathaus,so wenig als große Audienzfälc mirVorzimmern; so wie ans der andernSeite das bescheidene Ansehen, undeine durchaus gleiche und wenigMannigfaltigkeit zeigende Anord-nung, für ein gemeines Hans ganzvernünftig, aber für einen Pallastzu mager und zu elend seyn würde.InZierrarheu kömmt dasGroße unddie Pracht nur großen, und in An-sehung ihrer Bestimmung vornehmen,Gebäuden zu; da hingegen Zierlich-keit, Nettigkeit, und ein maßigerRcichthum, auch anPrivatgebaudcnreicher Bürger noch gut stehen kann.

Man kann überhaupt diese und an-dre hiehcr gehörige Anmerkungen indie allgemeine Rege! zusammen fassen,daß jedes Gebäude, sowol in seinenwesentlichen, als zufälligen Theilen,seinen Charakter behaupten und sei-nen Zwek anzeigen, zugleich aber inseiner Art gut in die Augen fallen,und überall gute Verhältnisse, Ge-schmak, Festigkeit und angewandtenFleiß an den Tag legen müsse. Ausjeder Vergchung gegen diese Regelentstehen Hauptfehler. Eo würde zu.weitlaufrig seyn, dieselben hier auf-zuzählen, da sie so sehr mannigfaltigseyn können. Wer gründlich voneinem Gebäude urtheilen will, dermuß also zuerst von der Natur undBestimmung desselben richtige Be-griffe haben, und darnach sowol

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