Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
311
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Aber auch da, wo sowol die Säu-len, als das Gebalk, nur zur Ver-zierung dienen, wie in den Gebäu-den, wo die Säulen halb in dieMauer hincintretcn, muß man denUrsprung des Gebälkes nie aus demGesichte verlieren, weil man sonst inganz ungereimte Fehler fällt, die dasAuge eines Kenners sehr beleidigen.Man sieht aus diesem Ursprung, daßder Unterbaiken seiner Natur nach ingerader Linie über alle Säulen weg-laufen müsse, weil er einen würkli-chen Balken vorstellt, der über dieSäulen gelegt ist. Daher denn dieBaumeister, so berühmt sie sonst auchseyn mögen, sehr grob fehlen, dieden Unterbalkcn durch Verkröpfun-gen zerbrechen: sowie die, welcheihn bisweilen zwischen ein PaarSäulen, um ein Fenster etwas hohermachen zu können, gar weglassen oderausschneiden, so daß die Hauptbalkcnan denselben Stellen keine Unterlagezu haben scheinen. Dergleichen Feh-ler sind an dem königlichen Schloß inBerlin, das sonst sehr große archi-tektonische Schönheiten hat, häufig.Diese Fehler haben die Alten, in derschönen Zeit der Kunst, nie begangen;alle Gebalke der alten griechischenGebäude sind vollständig, und laufengerade und ohne alle Brechung überden Säulen weg. Aber an den Ge-bäuden , die aus den Zeiten der spä-ter» römischen Kaiser übrig gebliebensind, findet man die unschiklichenVerkröpfungcn der Gebälke.

Selbst in Gebäuden, die wederSäulen noch Pfeiler haben, ist dasGebälk nothwcndig. Man machtan dem obern Ende der Mauren ei-nen Streifen, der den Unterbalkenvorstellt; und da die Hauptbalkcnwürklich da aufliegen, so deutet manauch den Fries an; endlich läßt manauch, sowol znmAbtröpfcn des Re-gens von den Dächern, als um dasganze Gebäude zu begranzen, einenKranz von verschiedenen Gliedern

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herum gehen. Also hat jedes, auchsonst schlecht gcbaucte Haus, sein Ge-balk, welches, zumal wenn keineSäulen angebracht sind, auch blosdas -Hauptgefinw gencnnt wird.

So ein kleiner Theil des ganzen Ge-bäudes das Gebälk ist, so sehr kannes ihm ein gutes Ansehen geben oderbenehmen. Ein .niedriges Gebälk mitwenig hervorstehendem Kranz giebteinem großen Haus ein gar elendesund mageres Ansehen, als wenn einsehr kleiner Kopf auf einem großenKörper säße. Ist aber das Gebälkgar zu groß und stark, so scheinet esdas Gebäude cinzudrükcn. Hierkömmt es also vorzüglich aufein rich-tigcsAuge an, das dicgutenVcrhält»nisse zutreffen vermöge *). Wir habenalso hier noch die Verhältnisse undauch die Verzierung des Gebälkes zubetrachten, lim alles deutlicher zumachen, ist die Zeichnung eines joni-schen Gebälkes im Profil bcygefüget.

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*) S.^Ganz.