Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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I.

Die erste Figur zeiget nichts, wor-aus man schließen konnte, daß die-ses eine ganze Außenseite eines Hausesvorstellen soll. Man kann sie ebenso gut, als ein Stük einer Fassadevorstellen, an welche noch sowol aufden Seiten, als in der Hohe, etwasanzubauen ist: sie führt den Begriffeines Ganzen keincswcgcs mit sich.An der zweytcn Figur fallt es so-gleich in die Augen, daß sie eineganze Fassade vorstellt. Sie ist so-wol von unten durch die Plinthe,die den Fuß vorstellt, als von obendurch ein Hauptgcsims geendigetzso daß sich weder von oben noch vonunten etwas hinzusetzen laßt, dasnicht außerhalb der Gränzen lägeund ein unnützer Theil wäre. Ebenso sind auch beyde Seiten durch dieAuslasung der Plinthe und desHauptgesimscs völlig bcgränzt, weilman deutlich sieht, daß nichts kanndaran gesetzt werden. Also dienetdieses Beyspiel zum Muster, wie je-des Werk der Baukunst durch Anfangund Ende zu einem vollständigenGanzen könnte gemacht werden. Auchjeder cinzclc Theil, in so fern er wie-der ein kleineres Ganzes macht, hatdiese Vollständigkeit nöthig. Inder ersten Zeichnung ist man einiger-maßen ungewiß, ob die Fensterwürklich vollendet, oder nur ange-fangene Ocffnungcn, oder gar inderMauer gelassene Löcher seyen, dienoch zugemauert oder erweitert wer-den sollen. Diese Ungewißheit hat

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in der zweytcn Zeichnung nicht mehrstatt. Blos die Einfassungen umdie Fenster zeigen deutlich an, daßdiese Ocffnungen nicht zufällige, odernoch nicht fertige Löcher, sondernwürkliche Fenster seyen, die dnrchdie Einfassung auf allen Seiten ihreBegränzung haben.

Das Gefühl von derNothwcndig-keit, jedem Körper, der nicht alsein abgebrochenes Stük, sondernals ein Ganzes erscheinen soll, einenAnfang und ein Ende zu geben, istso gewiß und so allgemein, daß wirdie Acußcrung davon überall sehenkönnen. Ein Mensch aus dem nie-drigsten Haufen, der am wenigstenüber Schönheit und Gcschmak nach-denket, wird doch seinem, aus ei-nem Zaun gerissenen Stok, obeneine Art von Knopf und unten eineSpitze zu geben suchen, damit esein ganzer Stok und nicht ein Stükeines Stoks sey. Daher sehen wiesowol in den ältesten, als in denunzierlichsten Gebäuden, schon über-all, wo Säulen und Pfeiler sind,Spuhren von Fuß und Knauf, ohnewelche die Säule nicht sowol eineSäule, als ein Stük einer Säulescyn würde. Um so viel wenigerist es zu begreifen, wie griechischeBaumeister dorische Säulen ohneFuß haben setzen können *). Viel-leichthat dieses Gefühl auch die Ver-jüngung der Säulenstämme hervor-

T 4 gebracht.

*) S. Dorische Säule.