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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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F a lFalsch.

(Schöne Künste.)

An wir hier das Falsche Klos in Ab-sicht ans die schonen Künste betrach-ten, so können wir, ohne uns in tief-sinnige metaphysische Betrachtungendes Wahren und Falschen einzulassen,die Begriffe desselben festsetzen. Wirnennen nur dasjenige falsch, wasuns als würklich vorhanden vorge-stellt wird, ob es gleich den Empfin-dungen oder Vorstellungen, die wirgewiß und ungczwcifclt haben, wi-derspricht. Die Dinge, deren Würk-lichkeit wir fühlen, sind entwederVorstellungen oder Empfindungen,das ist, Begriffe von der Beschaffen-heit der Sache, Urtheile, die auscn Begriffen entstehen, oder ange-nehme oder unangenehme Eindrüke,und Zuneigung oder Abneigung, wor-aus unsre Entschließungen folgen.Hieraus läßt sich jede Art des Fal-schen bestimmen.

Falsche Begriffe sind solche, die unsdie Beschaffenheit einer Sache auf ei-ne Art vorstellen, die den Begriffen,die wir würklich haben, widerspricht.Man sagt von dem Mahler, er habefalsch gezeichnet, wenn in der Größe,oder in den Verhältnissen, oder inder Form der gezeichneten Dinge et-was ist, das den in uns vorhande-nen Begriffen widerspricht: mansagt in der Musik von einem Spie-ler, er habe falsch gegriffen, wenndie Töne, die er angiebt, denen, diewir haben erwarten können, wider-sprechen. Man schreibt dem Rednerund Dichter falschen Witz zu, wennseine Anspielungen, Vergleichungcnund Bilder keine würkliche Aehnlich-kcit mit den Sachen haben, die eruns dadurch bezeichnen will; mansagt, er habe falsche Begriffe, wenner uns Sachen als vorhanden, oderals geschehen erzählt, die dem, wasklar in unsrcr Vorstellung liegt, wi-dersprechen. Ein falscher Gedanken

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ist ein Urtheil, das als der Erfolgvon solchen Begriffen angegeben wird,die in unsrcr Vorstellung einen ganzandern Erfolg haben.

Wie nun das Wahre große ästhe-tische Kraft haben kann *), und alsoein Gegenstand der schönen Künsteist, so muß das Falsche als etwas,das in den Künsten auf das sorgfäl-tigste zu vermeiden ist, angesehenwerden; denn der Widerspruch, denwir bcy dem Falschen fühlen, belei-diget und macht, daß wir unsre Vor-stellungskraft von dem falschen Ge-genstand, und dem, was damit ver-bunden ist, abziehen. Die Werke derKunst stellen uns meistcnthcils Gegen-stände , die des Künstlers Phantasiegeschaffen hat, als würklich vorhan-den dar; die Würkung, die seinWerk auf uns haben soll, kommtgroßenthcils von der Täuschung her,die uns den erdichteten Gegenstandals würklich vorstellt. Bemerken wirhier und da etwas Falsches, so em-pfinden wir, daß der Gegenstandnicht würklich ist. Der lyrische Dich-ter bildet uns Empfindungen vor,die gewisse Gegenstände in ihm regegemacht haben, und dadurch reizt eruns, daß wir uns in dieselben Em-pfindungen setzen; sobald wir aberetwas Falsches entdeken, es sey indem Gegenstand oder in seinen Em-pfindungen, so verschwindet die Tau-schung und wir bleiben kalt.

Darum muß in den Werken derKunst alles wahr, alles nach unfernVorstellungen und Empfindungenmöglich, und, wenn es die größteKraft haben soll, natürlich, oder garnothwendig seyn.

Dieses erreicht nur der Künstler,dessen Genie stark genug, und dessenKenntniß und Erfahrung groß genugist, seinen Vorstellungen und Empfin-dungen den Grad der Klarheit und>der Ausdehnung zu geben, daß erN 5 alles-

-) S. Kraft.