F a b
vorhergehenden nur einen halbenTon ausmacht. Also unser Ton L,ist das IR, in der Tonleiter L! dur.In der Tonleiter ss dur, ist unser Ldas b'». Der nächst unter dem Faliegende halbe Ton ivird allenial Migenennt; und wenn die Tonlehrervon Mi La sprechen, so verstehensie allemal die Lage der zwei) auf ein-ander folgenden halben Tone in derdiatonischen Leiter. In den nachden alten Kirchen tönen verfertigtenFugen kommen, nach Beschaffenheitdes Tones, von diesem Mi Fa be-trachtliche Schwierigkeiten vor');daher findet man in den alten Anlei-tungen zum Satz dieses Mi Fa sooft und mit so vieler Vedenklichkeiterwähnet.
Fabel.
(Dichtkunst.)
Nie Handlung oder Begebenheit,die den Stoff des epischen und desdramatischen Gedichts ausmacht, siesey würklich geschehen, oder blos er-dichtet. Aristoteles nennt sie o-aa-r«-5/!/ , die Beschaf-
fenheit der Unternehmungen und Vor-fälle. Sie ist das Gewebe, in wel-ches der Dichter die Charaktere, Re-den und Entschließungen der han-delnden Personen seiner Absicht ge-mäß einsticht. Sein eigentlicherZwek ist die mannigfaltigen Aeuße-rungen der menschlichen Kräfte, beymerkwürdigen Vorfällen, lebhaft zuschildern, die Stärke und Schwächedes Menschen, seine gnce und schlech-te Seite sehen zu lassen und zu zei-gen, wie er hier durch die Stärkeder Seele über alle Zufalle erhaben-,dort ein Spielzeug des Schiksalsoder seiner eigenen Leidenschaften ist.Cr sucht Vorfälle und Begebenhei-ten iwon der Beschaffenheit, daß siealles, was von würkendör oder lei-dender Kraft in der menschlichen
*) S. Fuge.
Awepter Thsit.
Fab 161
Seele liegt, reizen und an den Tagbringen. Die Fabel dienet dem Ge-dicht, wie das Knochcngcrippc desKörpers, zum Gerüst, an dem dieedlern zum Leben und zur Empfin-dung dienenden Theile angeheftetwerden, damit sie ihre Würksamkeitausüben können.
Also ist die Fabel nicht das We-sentliche, auch nicht der wichtigereTheil dieser Gedichte; sie ist nur da,um dem Dichter Gelegenheit zu ge-ben, seine Kenntniß der menschli-chen Natur auf die vorthcilhastcsteWeise an uns zu bringen. Werwird glauben, daß Homerus bey derJlias die Absicht gehabt habe, denGriechen zu erzählen, was sich vorTroja zugetragen? oder daß Sopho-kles seinen Oedipus geschrieben ha-be , blos um seinen Mitbürgern dasSchauspiel des unglüklichen Fallesdieses Regenten vor Augen zu legen?Die Fabel ist nicht, wie die Geschich-te, un! ihrer selbst willen da, undmuß nach dem Grad ihrer Tüchtig-keit zu Entwiklung der Charaktereund Sinnesarten der darinn vorkom-menden Personen beurtheilt werden.Die beste Fabel ist die, welche demDichter die beste Gelegenheit giebt,das, was er uns zu zeigen hat, aufdas kraftigste vor Augen zu legen.Jede würkliche oder erdichtete Ge-schichte oder Begebenheit, in demGesichtspunkte betrachtet, wie beyGelegenheit derselben die Aeußerun-gen der verschiedenen in dem mensch-lichen Gemüthe liegenden Kräfte,deutlich und lebhaft könnten abge-schildert werden, wird durch diesenbcsondern Gesichtspunkt, aus demman sie ansieht. zur Fabel.
Demnach ist die Fabel eine ausder Geschichte genommene, oder ganzerdichtete Begebenheit, nach den be-sondern Absichten des Dichters an-geordnet. Mcistenthcils wird sie ausder Geschichte genommen, weil ganzerdichtete Personen und Handlungen
L unsre