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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
154
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lungcn und im klagenden Ton semeLust. Sein Herz war äußerst zärt-lich , der Freude wenig offen, undseine Geinüthsart etwas verdrießlich.Man gicdt außer dein natürlichenHang des Temperaments, auch ver-schiedene Umstände an, die ihn dazukönnen gebracht haben. Er soll aufeiner Reise eine Gemahlin, die erzärtlich gcliebet, zwei) Söhne undeine Tochter durch unvorsichtiges Es-sen giftiger Bitze verloren haben *).Andre sagen auch, er habe eine zweytcFrau gehabt, deren üble Auffüh-rung ihm den höchsten Verdruß ge-macht. Und dieses wird dadurchwahrscheinlich, daß er nicht leichteine Gelegenheit vorbei) gehen läßt,seine wenige Achtung für das weib-liche Geschlecht an den Tag zu legen.DieseMarerie scheinet sein Licblings-tert zu seyn, so daß er bisweilenrecht anstoßig dadurch wird. InBezeichnung der Charaktere ist er derNatur getreu, wicwol er sie nichtaus der heroischen, sondern mehraus der gemeinen Natur nimmt.Er zeichnet aber meisterhaft und mitwenigen Zügen. Die Reden der Per-sonen , wenn man an einigen Ortenseine übertriebene Liebe zu Sitten-sprüchen ausnimmt, sind insgemeinhöchst natürlich, den Sachen, Um-ständen und Personen sehr angemes-sen. Er zeiget darinn eine recht großeBeredsamkeit, das Schiklichsie aufdie beste, und oft nachdrüklichsteWeise zu sagen. Ich kann michnicht enthalten, nur eine Probe hie-ven zu geben. Als Herkules vonbcrWuth, darinn er seineKinderum-gcbracht hat, wieder zu sich selbst ge-kommen, und voll schwarzen Gramssich verlauten läßt, daß er sich selbstumbringen wollte, sagt Theseus zuihm: Du rodest wie einer aus demPobcl. Sagt dieses-Herkules, derschon so viel überstände!? hat, der

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Mohllhaecr der Menschen und ihrgrößter Freund <

In der Mechanik der Trauerspielehat Euripidcs sehr viel weniger Ein-falt als Aeschylus und Sophokles.Es ist insgemein viel Mannigfaltig-keit und Verwiklung in den Vorfalllen. Die genauestcBeobachtung derEinheit in Ansehung der Zeit unddes Orts hat er nicht so hochgeach-tet, als die andern, deswegen istauch nicht alles von so großer Wahr-scheinlichkeit. In seiner Anbromachegeht Orestes von Phthia nach Del-phi, bringt daseihst den Neoprolemmn, und ein Bote kommt daher wie-der nach Phthia, es zu sagen. Diesalles geschieht in der Zeit, da derChor wenige Strophen singt. Ebenso wenig streng ist er in Betrachtungdes lieblichen oder desCostnme. Erlaßt in dem Hippolytus die Hosmei-stcrin der Phädra sagen: Äs sepnichts vollkommenes in der Velc,und selbst die Sebaude der bestenMeister haben immer noch ihraFehler: als wenn man Zur Zeit desTheseus schon sehr über die Schön-heiten der Baukunst raffinirt hätte.Und es schmeckt weit mehr nach deinZeitalter des Euripidcs, als desTheseus, wenn Hippolytus sagt, erhabe immer so keusch gelebt, dasi ernicht einmal die schlüpfrigen Gemähl-de anzusehen gewohnt fty. Er istder erste und von den übrig geblie-benen ^tragischen Dichtern der ein-zige, der seine Trauerspiele mit ei-ner besondern Art Eingang anfängt,darinn eine der handelnden Personendie Zuschauer von dem Inhalt deSStüks unterrichtet, und mit einigender Personen bekannt macht. Undhierin hat er oft sowol die Wahr-scheinlichkeit überschritten, als zuviel gesagt.

In der Schreibart reicht er wederan die Hoheit des Aeschylus uoch ande» körnichten, männlichen und feu-rigen AnSdrnk des Sophokles. Aber

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