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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
119
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si.ind in Ungewißheit oder Zweifelbleibe. Zur Klarheit gehört außerdem guten und richtigen Ausdruk,wodurch die Begriffe auf das genaue-ste bestimmt werden, die Ordnungund die Vermeidung alles dessen,was eigentlich zur Sache nichtgchört,was keinen Einfluß, weder auf denAusgang der Sache, »och auf dasUrtheil, das man von der Sachefallt, haben kann Bey jeder Erzäh-lung hat man eine gewisse Absicht,auS welcher benrtheilt werden muß,was zur Sache gehört oder nicht.Der Erzähler muß den Zmek der Er-zählung, die Vorstellung, die durchdieselbige in völlige Klarhcirkommcnsoll, auf das deutlichste fassen, umzubeurtheilen, was jeder cinzele Lin-. stand dazu beytragcn könnte. Er mußsich auf das genaueste in die Stelleseiner Zuhörer setzen, um zu erken-nen , was sie eigentlich durch seinenVortrag erfahren wollen oder müssen.Eine nothwcndige Eigenschaft derErzählung in Absicht auf die Klar-heit ist die Gruppirung der Sachen,das ist, die genaue Unterscheidungder Haupttheile. Die Erzählungmuß nicht so unabgesetzt in einemfortgehen, daß derZuhörer gar nichtsbegreife, bis man fertig ist. Siemuß in ihre Hauptperioden abgcthciltseyn, deren jede besonders kann ge-faßt werden.

Zur Wahrheit oder Wahrscheinlich-keit ist vor allen Dingen nothwcndig,daß keine Luke in der Erzählung ge-lassen, daß nichts übergangen werde,daraus das, was hernach folget, be-greiflich wird. Aber dieses ist nochnicht allemal hinlänglich. GewisseTheilc der Erzählung müssen genau,umständlich und durch solcheKleinig-kciten ausgezeichnet seyn, daß derZuhörer bey der Sache gegenwärtigzu seyn glaubt. Dadurch wird dieErzählung um so mehr wahrschein-lich, da der Zubörer sich nicht vor-stellen kann, daß alles so umständ-

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lieh würde können bezeichnet werden,wenn sich die Sachen nicht würklichso verhielten. Sowie es gewisse Ge-mählde giebt, von denen man leichturthcilcn kann, daß sie blos ausder Phantasie, nach einem Ideal ge-macht sind; andre hingegen, wo manaus verschiedenen sehr zufälligen Klei-nigkeiten gewiß erkenne, daß sie nachder Natur gemacht sind: so ist esauch mit den Erzählungen beschaffen,deren Wahrheit oder Erdichtung manaus Kleinigkeiten am besten bcurthci-let. Folgendes Vcyspiel aus demOuintilianus *) kann zur Erläute-rung dienen, ln partum von!, na-v!m proipexi, gusnti vollerer iu-terro^!»v!, lls pretio conveuit, con-ieenlli, sublstas sunt snellorae, lol-vimus c>ram, proketki lumus. Allesdieses sagt im Grunde nichts anders,als die zwey Worte: L porru «avi.Anvi. Aber das ausgezeichnete Ge-mählde macht, daß man die Sachezu sehen glaubt. Da bey jeder Er-zählung etwas die Hauptsache ist,das, wornach alles andre benrtheiltwird, diese Hauptsache aber, wiedicHauvtgruppc des Mahlcrs**) indem Gemähldc, voraussehen und amdeutlichsten ins Gesicht fallen muß:so muß derRedncr durch Bezeichnungkleiner Umstände, die Hauptlachc na-he vor das Gesicht bringen. Darumist Homer ein großer Meister derKunst. Die Hauptsachen heben sichin seinen Gcmählden von Gruni>heraus, und kommen ganz nahe.

Einen großen Grad der Wahrheitkann auch der Ton der Rede einer Er-zählung geben. Ein den Sachen,die man erzählt, völlig angemessenerTon, der sich wahrender Erzählungimmer nach der Beschaffenheit derDinge, die erzählt werden, abändert,ist beynahe allein hinreichend, dieganze Sache wahrscheinlich zu ma-H 4 chen?

*) I.ib. IV (Äp. I. 5,4l.

»ch S- Gruppe.