Druckschrift 
2 (1837)
Entstehung
Seite
410
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ihm eine Seelmesse lesen. — Das Kloster Vessera soll taglichbei seinen Scelmessen eine eigene Collecte für alle verstorbenen Brü-der sprechen.

11) Der älteste Sohn jedes verstorbenen Bruders kann dieKette des Vaters von dem Abt zu Vessers für ein klar Mark Sil-bers einlösen. Mag oder kann er nicht, so kann der nächst nachihm folgende Bruder die Einlösung für sich besorgen ?c.

12) Diese Statuten können nach Zeit und Umständen von demKapitel modisicirt werden.

13) So wie Abt und Kloster Vesser« alle Brüder täglich inihr Gebet einschließen :c., so soll dagegen auch jeder Bruder stets bereitsein, das Kloster und seine Unterthanen in allen ihren Gerechtsamen zubeschützen?c.

Man sieht, daß diese Gesellschaft die Mitte hielt zwischen einemritterlichen Hofordcn und einer ascctischen Brüderschaft und von beidenmanche Eigenthümlichkeiten angenommen hat. Sie war weit in Sach-sen, Franken, Thüringen, Hessen und Rheinland verbreitet und nurwenige Adclshäuser dieser Gauen dürften frei von dieser Verbrüderunggeblieben sein, obgleich sie nur kurze Zeit bestand und bei der Reforma-tion wieder erlosch. — Bcmerkenswerth erschien sie mir hier, weil sieeine neue und eigcnthümliche Nuance des überall in jener Zeit sich gel-tend machenden religiösen Geistes und Strebens bildet.

Die Kongregation und die Hospitaliter von Ma-ria Himmelfahrt zum h. Carl Borromäus zu Prag.

(Die walsche oder italienische Congregation.)

Die Herren Peter Nigetti und P. Johann Christoph Pannich ga-ben 1773 durch die Buchhandlung Johanna Prusch der Welt eine Be-schreibung dieser Congregation auf 280 Quartseiten, welche als offiziellzu betrachten ist, da beide Herausgeber der Congregation angehörten.Sie erzählen:

Seit dem Jahr 1600 hatten sich der reichen italienischen Kaufleuteund Künstler so viele zu Prag niedergelassen, daß man den WälschenPlatz und die Wälsche Straße nach diesen willkommenen Gästen be-nannte, Erst im Jahr 1660 gelang es dieser nicht sehr zahlreichen,aber durch Vermögen und Bildung bedeutenden Gemeinde, von demberühmten Jesuiten - Provinzial Canisius einen Prediger in ihrer Mut-tersprache zu erhalten und ganz italienischen Gottesdienst einrichten zukönnen. Aber die im Dccember desselben Jahres ausbrechende und baldso furchtbar wüthcnde Pest unterbrach diese Einrichtung auf eine höchstbetrübende Weise, bis im Jahr 1667 abermals ein Jesuit das italieni-sche Predigeramt überkam. Die von neuem anwachsende Gemeindebaute 1669 zwischen der Clcmentinischcn Kapelle und der jetzigen schö-