Druckschrift 
Die Leiden Jesu während seiner Kreuzigung, in sieben Predigten vorgetragen, mit bes. Rücksicht auf die sieben Worte des Erlösers am Kreuz
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

unter den größten Martern des Leibes und der Seeleam Kreuz gehangen, zuletzt auch noch die über alle Vor-stellung peinliche Verlassung von seinem Vater gelittenhatte, daß alles vollbracht war, daß seine Werke undLeiden auf Erden vollendet. Er hätte also nun gleich ster-ben können, da er Macht hatte, sein Leben zu lassen undzu sterben, wann er wollte. Damit wäre er auf ein-mal seinem peinlichen Durst und allen Schmerzen aufewig entgangen. Aber auf daß die Schrift erfül-let würde, verlängerte er sein quaalvolles Leben noch aufeinige Augenblicke und sprach: Mich dürstet.

In der heiligen Schrift war der schmerzliche Durstdes Messias in seinem Leiden und seine Tränkung da-bei mit Essig viele Jahrhunderte vorher geweissagt. Indem 22. Pf. wird der Messias redend und klagend ein-geführt: , Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,und meine Zunge klebt an meinem Gaumen." Und im69. Pf. „Sie geben mir Essig zu trinken in meinemgroßen Durst." Diese göttlichen Weissagungen in der hei-ligen Schrift mußten erfüllt werden, denn sie waren auf-geschrieben, um uns über den peinlichen Durst zu be-lehren, den der Messias am Kreuz ausstehen sollte unduns den versprochenen Heiland desto kenntlicher zu machen,damit wir ihn im völligen Glauben dafür annehmen,unser Anliegen auf ihn werfen und unser Vertrauen aufihn setzen könnten. Wenn nun ein einziges Stück, dasvon dem Messias war vorhergesagt worden, an unsremJesu von Nazareth nicht wäre erfüllt worden, so könn-ten wir daran zweifeln, ob er auch wohl der verheißeneMessias und Sündcrheiland sei, zu dem wir unsere Zu-flucht nehmen und auf den wir mit Beruhigung unserVertrauen fetzen könnten. Darum sorgte Jesus dafür,daß nichts an ihm unerfüllt blieb und wir die Erfül-lung auch erführen; denn er wußte es, wie schwer esuns wird, von ganzem Herzen an ihn zu glauben, wiegeneigt unser ungläubiges Herz ist, allerlei Zweifel gegenihn und sein Wort zu ersinnen; darum wollte er unse-rer Schwachheit zu Hülfe kommen, darum zeugte er durch