Verlassung Gottes, die höchste aller Roth erduldete, dasmit wir wieder zuGnaden angenommen werden können.
4. An den Juden sehen wir aber auch, wie tiefder Mensch verfallen, wie verstockt er werden kann,wenn er sich weigert, der Stimme Gottes zu gehorchen,ja daß bei denen durchgängig die Bosheit den höchstenGrad erreicht, die die meiste Erkenntnis' und Fähigkeithaben, aber sie nicht zum Guten, sondern zum Bösenanwenden. Diesen traurigen Verfall der Juden, die Gottvor andern Völkern her so hoch begnadigt hatte, denener so viel Unterricht ertheilt, selbst alle seine Propheten undzuletzt seinen cingebornen Sohn gesandt hatte, sollen wirzu unserer Warnung beherzigen und einen heilsamen Ge-brauch von den uns vergönnten Gnadenmittcln machen,damit wir nicht in dasselbe Ercmpel des Unglaubens undder Bosheit fallen und mit ihnen gleiche Strafe bekom-men. Sehet zu, lieben Brüder, ruft uns darum Pau-lus zu, daß nicht jemand unter euch ein arges, ungläu-biges Herz habe, das von dem lebendigen Gott abtrete,sondern ermahnet euch selbst, so lange es heute heißet,daß nicht jemand unter euch verstockt werde, durch Be-trug der Sünde. Ebr. 3.
Fragen sollen wir uns aber auch bei diesem Stück:
1. Ob wir es wohl mit Schaam, Reue und Ver-legenheit erkannt, daß wir Gott verlassen durch unsreSünden, und daß unsere Abweichung und Entfremdungvon ihm unser größtes Unglück sei?
2. Ob es uns in der Entfremdung von Gott zuenge geworden und wir angefangen, nach seiner Ge-meinschaft zu trauern und sie in Christo zu suchen?
3. Ob wir es Jesu Dank wissen, daß er die Ver-lassung gelitten, zu ihm unsere Zuflucht genommen unddurch ihn zu Gott gekommen, mit ihm ausgesöhnt undvereinigt sind?
Sollte es nicht Manche unter uns geben, bei denensich nichts von diesem allen findet und die diese Fragenmit nein beantworten müssen.