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Die Leiden Jesu während seiner Kreuzigung, in sieben Predigten vorgetragen, mit bes. Rücksicht auf die sieben Worte des Erlösers am Kreuz
Entstehung
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ist unaussprechlich und unbegreiflich. Er wurde zwar insoweit nicht verlassen, daß seine wesentliche Vereinigungmit dem Vater auch für einen Augenblick aufgehört hätte;denn dies Band ist unauflöslich. Aber verlassen war erjetzt nach seiner menschlichen Natur von göttlichem Lichtund Trost, von Friede und Freude. Das holde Ant-litz seines himmlischen Vaters schien ihm nicht mehr, unddas Süße in der Gemeinschaftsübung mit ihm schmeckteer nicht; Gott kam ihm unserer Sünde wegen als einschrecklicher Gott vor, und er hatte nichts von ihm alsEindrücke seines gerechten Mißfallens an der Sünde.Denn er hatte es jetzt nicht als Sohn mit dem Vaterzu thun, sondern als Bürge vieler tausend Schuldnerund großer Missethäter mit einem beleidigten Gott und ge-rechten Richter, der ihn so behandelte, wie er die Sün-der, an deren Statt er stand, nach seiner strengen Ge-rechtigkeit ewig hätte behandeln müssen; darum kam esauch zur peinlichen Verlassung von Gott mit ihm, daßer schreien mußte: Mein Gott, mein Gott, warum hastdu mich verlassen.

Wußte denn Jesus nicht, daß es mit ihm bis zurVerlassung von Gott kommen würde? daß er fragte:warum hast du mich verlassen; oder ward er ungedul-dig und verzagt über die schweren Leiden? Nein, nichtsvon dem allem hatte bei ihm Platz. Nicht Unwissen-heit, denn er wußte voraus, was ihm begegnen würdeund hatte auch sein Leiden am Kreuz schon im 22. Ps.vorherverkündigt. Nicht Ungeduld, denn die kam in seineheilige Seele nicht, welche ganz willig war und blieb,ein Opfer für unsere Sünde zu werden. Nicht Klein-muth noch Verzweiflung; denn sein Angstgeschrei selbstredete noch die Sprache des Vertrauens, indem er Gottdarin zweimal nach einander seinen Gott nennt.

Warum hast du mich verlassen? setzte er aberhinzu, um Gott seine Leiden wehmüthig zu klagen undihm die Ursache vorzuhalten, warum er diese schmerz-liche Verlassung gelitten, und ihn zu erinnern, daß eres um die Sünden der Auöerwählten willen gcthan und