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Theologisches Gutachten über die Prediger-Bibel des Pastor Ed. Hülsmann
Entstehung
Seite
62
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scheint alles Kümmern und Sehnen um einen Gott, und allerZweifel an ihm, an Tugend und Unsterblichkeit, und alle wort-reiche Fürsprache für sein Daseyn eitel, bedauernswürdig, übcr-flüfstg. Dann ist auch dieser Gott nicht mehr bloß natürlich durchGewissen und religiösen Wunsch, sondern mit Gnade und Wahr-heit in uns gcoffenbart, und leitet nun das Geschöpf auf sichererBahn in's Ewige und Unendliche."

Wie in Hinsicht der Philosophie H. II. einer Zeit an-gehört, die mehr hinter uns liegt, so auch in Hinsichtder Philologie oder Sprachkundc. Er huldigt noch ganzund gar jener Philologie, welche im letzten Viertel des vorigenund im Anfange dieses Jahrhunderts dem Grundtcrt der heil.Schrift, besonders dem des N. Testamentes, so arg mitspielte, daßdie griechische Sprache fast aufhörte, noch irgend ein festes Ge-setz, irgend eine Regel zu haben. Da wurden den einzelnen Wor-ten allerlei Bedeutungen angedichtet, und die Grammatik mußtedie sprachwidrigsten Deutungen ihrer Formen gut heißen. Hiernahm man ganz willkührlich eine Ellipse oder Auslassung an, undschaltete nach Belieben ein oder mehrere Worte ein, so daß einganz anderer Sinn entstand; dort fand mau Pleonasmenoder überflüssige Worte, und ließ einen Gedanken oder eine nä-here Bezeichnung des Gedankens weg, und da wieder wußte mausich mit Hcbraismen zu helfen, um die Mühe sich zu ersparen, inden Geist der gricch. Sprache einzudringen. Ein casus wurde willkühr-lich für den andern, ein tcmpus für das andere, ein mc-lus fürden andern genommen, und dergleichen Vcrtauschnngcn, Verwech-selungen und Umsetzungen gab es so viele, daß man den Grund-tcrt konnte bedeuten lassen, was man wollte. Die Commentarevon Koppe, Kuinocl, dem Heidelberger PaulnS und vielerAndern sind dcß Zeuge. Die Zeit, wo diese Philologie in derCrcgcsc herrschte, ist nun aber seit etwa zwei Jahrzchcndcn vor-über. Mau ist fast allgemein diesem Unfug entgegengetreten,und hat auch in dem neutcstamentlichcn Sprachidiom die Gesetzeeines Organismus aufgesucht und gefunden, wo alles vonInnen heraus sich gestaltet und entfaltet (vcrgl. Wincr's Gram-matik des neutcstamentlichcn Sprachidivms, 3tc Auflage, VorredePag. V—X.) H. II. scheint aber von dieser heilsamen Verände-rung auf dem Gebiete der biblischen Sprachgclchrsamkeit wenigNotiz genommen zu haben; er bleibt bei jener alteu Weise, die