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Theologisches Gutachten über die Prediger-Bibel des Pastor Ed. Hülsmann
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noch die Schrift, wer nicht weiß, daß eben die Lust, welche un-willkührlich im Menschen aufsteigt, der unergründlich tiefe Brunnendes angebornen Verderbens ist, aus welchem alle andern bösenLüste und Begierden hervorquellen, auch die, welche mit bestimm-terer Richtung des Willens auf einen einzelnen Gegenstand gehegtund genährt werden. Wer, der nur etwas vom Hassen und Ver-lieren des eignen Lebens, vom Ausziehen und Tödtcn dcö altenMenschen, vom Kreuzigen des Fleisches sammt seinen Lüsten undBegierden verstanden und erfahren hat, kann sich so matthcrzighierüber ausdrücken, als wir S. 4?. in den Worten lesen: „dieBeherrschung unserer sinnlichen Triebe ist oft ein mit den größtenSchwierigkeiten verbundenes Geschäft. Eine Leidenschaft zu besie-gen, eine tiefcingehcnde Begierde wieder auszurotten, ist oft mitgroßen Schmerzen und harten Kämpfen verbunden!" — Fremdmuß demjenigen die Lehre der Schrift seyn, daß wir alle von Na-tur Kinder des Zorns und todt in Ucbcrtretnng und Sünden sind,der nur in den Lasterhaften, in denen, die offenbarlich einen schlech-ten Lebenswandel führen, die in Sünden Todten stehet; die Ehr-baren also, welchen keinen schlechten Lebenswandel führen, nichtlasterhaft sind, wie die Räuber, Mörder, Ehebrecher, Meineidigen,Verschwender, Trunkenbolde u. s. w., die sind nicht todt in Sün-den. (Siehe S. 510.) —> Was kann ein Solcher von der Noth-wcndigkcit der Wiedergeburt, was von Buße, Bekehrung, Glaubenwissen, welcher lehret: „Der Mensch kann Alles, wenn er nur red-lich will," (S. 5V.) und welcher behauptet, zur Erfüllung des Ge-botes, die Feinde zu lieben, seycn keine übernatürlichen Kräfte er-forderlich? — Von diesem Allvcrmögcn des Menschen, wenn ernur redlich wolle, nur Zutrauen zu sich selbst habe, ist auch S.190. die Rede. Mit dieser Lehre von der Allgcnugsamkcit dermenschlichen Natur und von der Hinlänglichkcit der natürlichenKräfte (siehe S. 53.) ist die biblische Lehre vom Glauben unver-einbar. Das Wesen des Glaubens besteht ja darin, daß man sichselbst, sein eigenes Leben hasse und verlasse, und Christum mit seinemHeil, mit seiner Herrlichkeit, mit allen seinen Gaben und Kräftenals sein Leben ergreife, und ihn sich aneigne. Was mir Gewinnwar, spricht der Glaube, das achte ich für Schaden und Auskch-richt, damit ich Christum gewinne, und nur in Ihm erfunden werde.Dieser Glaube, der den Tod, die Ohnmacht, den Eigenwillen, dieEigengercchtigkcit von sich wirft und das Leben ergreift, die Kräfte