112 Astronom«. Tech. II.
fallöwinkel gleich ist, so wird dieses Bild gerade umeben so viel unter den Horizont deprimirt scyn, alsder Stern selbst über ihm erhaben ist, wobei jedochauf die Differenz der Strahlenbrechung zu den ver-schiedenen Zeiten der Beobachtung gehörige Rücksichtzu nehmen ist. Der Bogen, welcher am Limbus desKreises zwischen dem Stern und seinem nachher beob-achteten reflectirten Bilde eingeschlossen ist, ist, wenndie Berichtigung wegen der Strahlenbrechung gemachtworden, die doppelte Hohe deS Sterns, und dieHalste desselben giebt den Horizontalpnnkt. Die re-flectirende Oberfläche einer Flüssigkeit, deren man sichans diese Weise zur Bestimmung der Hohen der Him-melskörper bedient, heißt ein künstlicher Ho-rizont.
140) Der Mauerkreis ist in der That zu gleicherZeit ein Mittagsfernrohr, und kann als solches be-nutzt werden, wenn man den Brennpunkt des Fern-rohres mit einem geeigneten Snstcmc vertikaler Fadenversieht. Da aber die Are desselben nur ans der einenSeite unterstützt ist, so besitzt er nicht die Festigkeitund Unvcranderlichkcit in seiner Lage, welche für deneigentlichen Zweck eines Mittagsfcrnrohrs nothwcndigist; auch kann er nicht, wie letzteres, durch Umkeh-rt! ng der beiden Enden seiner Are ans Osten nachWesten geprüft werden. Nichts hindert dagegen, ei-nen cingethcilten Kreis permanent an die Are einesPassagcninstrumcntcs, und zwar an das eine Endederselben, zu befestigen, so daß er sich mit derselbenumdreht, und das Ablesen mittelst eines Mikroskopcsbewerkstelligt wird, welches an dem einen seiner Pfei-ler befestigt ist. Ein solches Instrument heißt einPassagen kreis oder ein Meridiankreis, unddient zu gleichzeitiger Bestimmung der Rectaseensionenund Polarabstande der damit beobachteten Himmels-kbrpcr; die Zeit der Culmination wird nach der Pen-deluhr bemerkt, und den Kreis liest man mittelst desseitwärts befindlichen Mikroskopcs ab.
141) Die Bestimmung des Horizontalpunktcs amLimbus eines Instrumentes ist von so wesentlichem