ob das überhaupt was Besonderes wäre, wenn ein Poet leidlicheVerse macht! Das kann man doch von ihm einfach verlangen.Jeder gelernte Schuster macht ganz gut sitzende Stiefel — abersetzt man ihm deshalb ein Denkmal?"
„Und er ist obendrein noch nicht einmal ein besonders ge-schmackvoller Dichter", sagte der Pastor. „Nehmen wir . B.einmal „Fragen" in der „Nordsee". Da fragt ein „Jüngling-Mann" die Wogen etwas. Wie albern! Ich bitte Sie meinwerther Herr, welcher vernünftige Mensch wird denn die Wogenum etwas fragen! Und dann: „schwitzende Menschenhäupter!"Schwitzend! Wie trivial, wie roh! Und das Schlimmste in diesemPoem: er nennt den doch immerhin strebenden jungen Mann —einen Narren! Alle Philosophie ist Narrheit in des CynikersAugen! An andrer Stelle vermißt er sich sogar, unseren HerrnChristus — nein, es schnürt nur den Hals zu, ich kann's nichtsagen, und einmal hat er gar die Stirn, ihn seinen Vetter zuneunen!"
„Das ist allerdings ein wenig stark!" rief der Mann mitdem Dulderantlitz; „dann wäre ja Gott-Vater nichts mehr undnichts weniger als — sein Onkel, in dessen Familie er auf demblau geblümten Himmelskanapee guten Kaffee trinkt, mit „Bund",dem idillischcn Düsseldorfer Kaffeegcbäck. Mir geht ein Kirchen-licht auf! Die wahrhaft nationalen Literarhistoriker dürften mitgutem Rechte Alles, was er gegen seine Verwandten an Bosheitenvon sich gegeben hat, als verkappte Gotteslästerungen, betrachten!"
„Ich werde den Professor v. Treitschke auf Ihre geistvolleHypothese aufmerksam machen," sagte der Pastor. „Ja, demHerrn sei Dank, wir haben noch wackere Lehrer der Jugend! AuchGoedeke sagt es rund heraus: der Märchen- und Blumen-Spukbei Heine soll Ersatz sein für die fehlende Poesie."
„Sehr richtig!" rief der Inspektor. „Eine Art Surrogat!Cichorien in Blümchen-Kaffee! Seine Werke sollten eigentlich aufGrund des Gesetzes gegen Verfälschung der Nahrungsmittel ver-boten werde». Oder aus sonst einem Grunde. Ihr habt da dochneuerdings so ein Gesetz in Vorbereitung — na, wie heißt esdoch gleich — lex Heinze, richtig! Ich dachte mir gleich, wie ich