Der schrille Mißton, die sarkastische Dissonanz, in welcherHeines bestrickende Melodien häusig ausklingen, oder das ironischeSchwänzchen, das er seinen edelsten Gebilden oft anhängt undworüber Philister, Tugendbolde und hysterische Weiber beiderleiGeschlechts entsetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen,ist nur ein genialer moclus vivencki zwischen Idealismus undRealismus und zugleich eine Satire auf die poetische Tartüfferieder Zeit, auf den schönheitsseligen Pharisäismus, der Sonntagsdie irdische Brust im Morgenrot ästhetische Empfindungen badetoder zu baden heuchelt, um sich Montags wieder im kapitalistischenSchlamm wollüstig zu wälzen. Es ist die Selbstkorrektur eines auf-richtigen Dichters, der kein Wolkenwandler und nicht vergessen lassenwill, daß die poetische Verzückung von prosaischer Ernüchterung abge-löst wird, weshalb er neben dem Avers den Revers zeigt, den Satyrneben Apoll stellt. Schon die antike Poesie hat dergleichen auf-zuweisen, z. R. die 2. Epode des Horaz.
Stuttgart. Z. Stern.
Die Sonne des Südens warf glühende Pfeile auf mich.Ich mußte rasten.
Da trat ich in die kleine Kirche Luntn iVInrin ctella (mutenn,dort am alten Hafen von Palermo. Links vom Hochaltar ist eineNebenkapelle mit einem Madonncnbild. Ich setzte mich vor das-selbe, betrachtete es und schloß die Augen.
Mit einem Male zog es durch mein Inneres wie Jugendzeit,wie Heimatsklänge, wie Sphärenmusik:
„Im Rhein, im schönen Strome,
Da spiegelt sich in den Welln,
Mit seinem großen Dome,
Das große, heilige Köln."
Da sah ich das Bild aus goldenem Leder, die Blumen undEnglein, die Geliebte, die Heimat.