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VIII.
Interessant ist die Parallele, die Heine so gern undhäusig zivischeu den Völkern der Juden und Germanen zieht,Heine mag wohl einer der ersten und originellsten Denker sein,welche das deutsche Volk als das auserwählteVolk der modernen Zeit ansahen, verherrlichten und demgemäßmit dem auserwählten Volke Israel in Vergleichungzogen, — Heine verfolgt solche Spuren nicht nur in Deutschlandselbst, sondern auch in anderen Ländern und Städten, in denen derger m a n ische Vvlksgeist Wurzel geschlagen hat. DerartigeGedankengänge sind mit Rücksicht ans unsere eigene Zeit besonderslehrreich. — Viel ist davon in Heines „Geständnissen" (1853/54)zu finden.
IX.
Daß sich in den letzten Jahren in Heines Gemütc in Wahrheitnach und nach eine e r n st e B e k e h r u n g vorbereitete und vollzog,das werden zwar auch heute noch viele bestreiten: allein sie werdenihre dergestaltete Skepsis durchaus nicht glaubwürdig machen können.Vielmehr läßt es sich aus direkten Zeugnissen der Zeitgenossendes duldenden Dichters und aus dessen eigenen Bekenntnissen inPoesie und Prosa unwiderleglich nachweisen, daß in Wahrheit einereligiöse Wiedergeburt iu Heines Gemüte stattgefundenhat, wenn auch zugestanden werden muß, daß seine im Innerstenskeptische Natur dieser Religiosität zu eiucm oft recht sonderbarenAusdrucke verholfen hat.
X.
Wie entsetzlich schwer das Sterben ist, mag keiner eindring-licher besungen haben als Heine, der trotz unsäglicher Körper-qualen, obwohl er tausendmal den Tod vor Augen sah, — dochnicht zur Resignation gelangen kann. In einem Sonett der„Lazarus"-Gruppe ertönt wieder die alte Klage:
Der Hand entsinkt das Saitenspiel. In ScherbenZerbricht das Glas, das ich so fröhlich ebenAn meine übernüith'gen Lippen preßte.