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Aoinr und KAHo.^)
Alles Unheil in der Literatur kommt bei uns von falschenVergleichen. Die vergleichende Methode, die jetzt so viel Anklangfindet, hat nur einen beschränkten Wert. Und vor Allem, was manmeist vergleicht, bezieht sich gewöhnlich auf rein Acußerliches(Stoff) oder man vergleicht gar nur ganz Abstractes (die Idee),man vergleicht die Berühmtheiten und übersieht dabei fast regel-mäßig, was doch das Wichtigste ist! die historische Stellung derPoeten. Und sollte es nicht doch vielleicht von größerem Wertesein, das festzustellen, worin sie sich nicht gleichen, worin sie ab-weichen. — Weil man aber vor allem den Ruhm und auf denRuhm hin die Dichter vergleich!, bildet das Thema Gliche undHeine ein stehendes Kapitel in deutschen Literaturgeschichten.
Und nun kann es gar keine weiteren Distanzen geben, alsdie ist, in welchen diese beiden Geister von einander kreisen. Siegleichen sich, wie dem Morgenrot die Abenddämmerung gleicht,d. h. zuweilen in ihren äußeren Farben. Schatten- und gespenster-haft wirkt Heine's Poesie, verglichen mit Göthe's gesunder undfrischer Leiblichkeit. Was Heine gern Göthe gegenüber als seinegrößere Leidenschaftlichkeit ausspielte, war doch im Grunde nursein leibloser Spiritualismus. Er ist luftiger, geistiger. BeideDichter auf ihren Realismus hin vergleichen, wie Kirchbach undandere gethan haben, gehört wohl zu den größten Absurditäten,die uns in. der Heine-Literatur begegnet sind.
Das wäre, als wollte man Wasser und Erde miteinandervergleichen. Als ob es nicht zur Natur des Wassers gehörte, daßes flüssig, gestaltlos und ewig wechselrcich sei! Als ob nicht selbstdie Heimatlosigkeit ein Jntcgrenz des Wassers wäre! —Wo HeineGoethe'sche Motive, Stoffe, Formen u. s. w. benutzt, wo äußerlichein Anlaß wäre, sie beide zu vergleichen, da erscheint uns diePoesie des Erstcren wie ein wirrer Fiebertraum nach einem frohenFeste; bunt durcheinander flattert noch einmal Alles dem Geiste vorüber,
*) Aus einer properen Arbeit über „Heine und unsere Zeit."