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Die Seinsheims und ihre Zeit : eine Familien- und Kulturgeschichte von 1155 bis 1890 ; mit urkundlichen Belegen und Illustrationen
Entstehung
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Vor wir in die Genealogie eintreten, ist es nothweudig, die ärgsten Zrrthümer zu berichtigen, mitwelchen bislang die Throuisten den geduldigen Leser bedient haben!

Aus dem Umstände, daß der Name „Erkiugcr" schon in früher Zeit in der Seinsheim'schen Familievorkommt, und zwar vom alemannischen Erkauger und Erchauger bis zum fränkischen Erkcuger, Eckeliu,Grchenger und Herkenger zog mau den Schluß, daß die Seinsheims ursprünglich aus Schwaben oder Alemannienstammen müßten und in Franken eingewandert seien, — Wir wollen der Behauptung nicht direct entgegen treten,doch muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß die ersten historisch bekannten Vornamen Eispert, Sigsriedund Hildebrand sind, nach welchen erst Er kluger erscheint, allerdings in großer Anzahl, später sogar als eineArt von Bestandtheil des Namens galt.

Daß in den frühesten Zeiten schon Schwaben nach Franken zogen und dort einwanderten, ist ganz richtig, denn i, Z.506 n. Thr, unterwarfen bekanntlich die Schwaben sich den Langobarden, mußten aber später wegen des Gindringensder Bajuwaren sich von ihren Stammesgenossen trennen und schloffen sich dann dem damals mächtigsten Volksstammean, den Franken, und beweist uns dieß heute noch ein Blick aus die Landkarte, Wir finden dort Ortsnamen, dieaus jener Zeit stammen, so z. B neben Frankfurt, Frankcnheim und Frankenreuth ein Schwab Hausen bei Gotha,ein anderes Schwabhausen (Suabahusa) bei Zena, eines im Taubergrund, sowie auch andere schwäbischlautende Namen von Schwabach bis in die Gegend der Saale, Bode und im Harzgebirg,

Die dortige Gegend heißt heute noch „das Schwabengau", das heutige Schwebheim bei Windsheimhieß in früheren Zeiten Schwab heiin.

Dadurch, daß im 6. Zahrhuudert Schwaben nach Franken eingewandert sind, ist aber noch lange nichtbewiesen, daß darunter die Herren von Seinsheim gewesen, auch nicht, daß der Name schwäbischenUrsprungs sei.

Dennoch lautet die alte von den Thronisten wiederholt vorgebrachte Sage, i. Z, 9l? seien zwei Aleman-nensürsten, die Herzoge Erkiuger und Berthold, ob ihres Widerstands gegen ihren Schwager Tonraddurch ein Fürstengericht zum Tode verurtheilt worden. Die Wittwe Gr kingers habe sich nach dessen Hinricht-ung mit ihrem Sohne Tonrad zu seinem Tauspathen, Herzog Eberhard, ihrem Schwager, nach Franken ge-flüchtet, habe dort Schutz gefunden und der Herzog dem jungen Tonrad im Steigerwald einen Platz geschenkt, wodieser sich ein Schloß baute und „sein neues Heim" naunte, woraus der Name „Seinsheim ward.

Abgesehen davon, daß er, wenn er ihm den Namen selbst gab, es offenbar „mein neues Heim" nennenmußte, steht dieser Tombiuation des Herrn Salver der Umstand entgegen, daß die ursprüngliche Schreibweise, undzwar bis gegen das s5, Jahrhundert „Sovenshein:, dann Savens-, Sawens-, Sauensheim" warund erst im H6. Jahrhundert in „Seinsheim" überging.

Zudem liegt auch der erste Stammsitz — Markt Seinshein: nicht in: Steige rwald, ebenso wenigWässerndors, Wielanzhein: und Nattenheim, wo uns die ersten Seinsheims bekannt werden. Diese Orte liegen allein der Ebene oder aus den leichten Höhenzügen von Markt Bibart und Zphosen südlich gegen Uffenhein: und Marktbreit,Auch lehrt uns die Geschichte des zehnten Jahrhunderts, daß um 9sH—9s5 nicht die beiden Brüder Erkingerund Berthold Herzoge von Alemannien waren, sondern Burkhard, den man irrthümlich für ihren Vater hielt,und dieser Burkhard war es, der sich gegen den Uönig auflehnte, weil er in dessen Begehren, seine Güter ihn: alsLehen des deutschen Reichs aufzugeben, das Bestreben erkannte, die deutschen Herzogthümer zu einen: Reiche zu ver-einigen und diesen: widerstand Burkhard so lauge der Köuig regierte, wurde aber weder gesaugen noch hingerichtet,sondern stand als mächtiger Herzog da, lebte noch bis zun: Jahre 926, in welchen: Zahre er in einer Fehdegegen Erzbischof Landpert von Mailand fiel, als er aus der Flucht in eiuen Graben stürzte und von der Schaardes Erzbischoss mit Lanzenstichen durchbohrt wurde. Er hinterließ einen minderjährigen Sohn, der ihn: aber nichtunmittelbar in: Herzogthuine nachfolgte, sondern nur in den Grafschaften, Zuerst kau: auf ihn Hermann I,, Sohndes Grasen Gebhard, in Franken, der ein Bruder Tonrads, des Vaters des Königs Tonrad war, und nach ihmkam Luithulf, Sohn des Königs Gtto. Hieraus erst folgte der Sohn Burkhards aus den: Herzogsthron, hieß aberweder Erkinger noch Berthold, sondern, wie sein Vater „Burkhard". Seine Ehe mit Hadewig, Tochter HerzogHeinrichs von Bayern, blieb kinderlos. Er war von: Herzogthun: nicht vertrieben, es kann also auch nicht dieRede von einen: Sohne sein, den das gleiche Loos getroffen, welcher dann der Stifter des Seinsheim'schen Geschlechtsgeworden wäre. H Man sieht, in der angeblichen Lebzeit der Erkinger und Berthold ist kein Platzin der Reihe der Herzoge von Alemannien für dieselben.

*) p, Oestreicher weist in den geöffneten Archiven für die Geschichte des Königreichs Bayern, III, Jahrgang, II, Heft, x>. 140 —^6 auf „pfisters Geschichte von Schwaben" hin, wir erinnern uns unwillkürlich an eine alte Sage, welche wigulejus Hundt in seinem„Stammenbuch" aus dem „libsr twäitiouum Unäsustorplrenss" auf x>. :Z6 des ersten Bandes verzeichnet hat. Der geächtete PfalzgrafOtto von Wittelsbach soll zwei Söhne gehabt haben, die sich der Unsicherheit wegen in den Ardennen-Wald zurückzogen, dort lebtenund wild- oder Waldgrafen genannt wurden, die in würtemberg das Schloß Peilsbach sollen gebaut haben I —