Krystallogenie. 1355
Hitterspath 107 ° 22 ' und bei Zinkspath 107° 40'. Mit dieserVerwandtschaft hinsichtlich der Winkel ist oft eine Verwandt-schaft hinsichtlich der Zusammensetzung gegeben, denn im Bit-tersalz ist 1 Mischungsgewicht Schwefelsäure und 5 Mischungs-gewichte .Wasser mit 1 Mischungsgewicht Bittererde vereinigtund im Zinkvitriol ist die Bittererde durch 1 MischungsgewichtZinkoxyd vertreten ; in den genannten Spathen ist allezeit |Mischungsgewicht Kohlensäure mit 1 Mischungsgewicht Basisverbunden, nämlich mit Kalk oder Manganoxydul oder Eisen-oxydul, oder Kalk und Bittererde zugleich, oder Zinkoxyd.Zwar haben nicht alle in ihren Winkeln wenig abweichende! Krystalle auch eine ähnliche Zusammensetzung. So zeigt derNatrolith eine gerade rhombische Säule, deren stumpfer Kanten-winkel 91° 38' beträgt, die also der des Bittersalzes und Zink-vitriols sehr nahe steht, während die Zusammensetzung einesehr verschiedene ist; eben so steht das stumpfe Rhomboederdes salpetersauren Natrons dem des Kalkspaths und Manganspathssehr nahe, da der Winkel der Scheitelkanten 106° 30' beträgt.Allein die obigen Beispiele zeigen deutlich, dafs ein Zusammen-hang statt findet zwischen chemischer Mischung und Krystallform.
Hierauf gründet sich Mitscheiiuch’s Lehre vom Isomor-phismus , von welcher hier das Wesentlichste in atomistischerSprache folgt.
Man kann Stoffe, sie seyen einfach oder zusammengesetzt,isomorph nennen, wenn sie nicht blofs für sich dieselbe Kry-stallgestalt, entweder mit gar keinen oder mit nur kleinen Win-kelverschiedenheiten, zeigen, sondern auch in ihren Verbindun-gen mit andern Materien nach denselben atomistischen Ver-hältnissen. So ist A isomorph mit B , wenn x Atome A -j- yAtome C dieselbe Form zeigt, wie x Atome B -f-y Atome C, undwieder, wenn einerlei Gestalt zeigen einerseits x Atome A -f- yAtome G-J—z Atome D und andererseits x AtomeB-(-y Atome C-{- zAtome D. Nur ist hierbei zugleich der Dimorphismus mehrererMaterien zu berücksichtigen, welcher scheinbare Ausnahmenhervorbringt, wenn z. B, eine Verbindung von A die eine derbeiden Gestalten zeigt, die möglich sind, und die entsprechendevon B die andere.
Isomorph sind: Schwefel, Selen und Chrom; zwar ist nurdie Krystallform des Schwefels bekannt, allein ein Atom jedesder 3 Stoffe bildet mit 3 Atomen Sauerstoff isomorphe Säuren,