1349
Krystallogenie.
Menge Wasser auf eine solche Weise in ihre Krystalle auf, dafssie nun nicht mehr die Krystallform und übrigen Eigenschaftendes wasserfreien Körpers zeigen, sondern verschiedene, wie sieeiner solchen proportionirten Verbindung desselben mit Wasserzukommen 1 . Auch Weingeist geht auf dieselbe Weise in mancheans ihm anschiefsende Krystalle über, so dafs auch ein Kryslal-lisalionsweingeist zu unterscheiden ist.
5) Jede Jvrystallbildung ist mit Wärmeentwickelung ver-bunden ; manche auch mit Lichtentwickelung. Die Wärmeent-wickelnng rührt ohne Zweifel von der beim Uebergange der flüs-sigen Stoffe in den festen Zustand freiwerdenden Flüssigkeits-Wärme her. Sie ist besonders bei rascher Krystallisatiön deutlichzu bemerken, daher vorzüglich in dem oben beschriebenen ano-malen Falle, wo Wasser oder die Lösung von Glaubersalz, es-sigsaurem Natron u. s. w., in der Ruhe unter ihren Krystallisa-tionspunct abgekühlt, durch eine äufsere Veranlassung zu rascherKrystallisatiön gebracht werden. Die Lichtenlwickelung zeigtsich bei der Sublimation der Benzoesäure und bei der Krystalli-sation mehrerer Salze, besonders des schwefelsauren Ivali’s, desschwefelsauren Kobaltoxydkali’s, des flufssauren Natrons und dessalpetersauren Strontians aus ihrer wässerigen Lösung 2 .
ß) Hinsichtlich des Verhältnisses der Krystallform, welchedie Stoffe annehmen, zu ihrer chemischen Natur ist Folgendeszu bemerken:
a) Einerlei Materie kann in vielerlei Formen krystallisiren,welche jedoch in den meisten Fällen nur einem einzigen Kry-stallsysteme angehören und welche in Hinsicht der Winkel miteinander vereinbar und von einer gemeinschaftlichen Grundformabzuleiten sind. So kommen vom Kalkspatlie mehrere hundertverschiedene Krystallformen vor, welche jedoch alle dem 3-undSgliedrigen Systeme angehören und als deren Grundform einstumpfes Rhomboeder angenommen wird. Kennt man von einerMaterie auch nur eine einzige Krystallform, so darf man dochannehmen, dafs sie unter gewissen Umständen auch alle dieübrigen Formen zeigen könnte, welche demselben Krystallsy-steme angehören. Woher es komme, dafs dieselbe Materie balddiese, bald jene Form desselben Krystallsystems annimmt, ist
1 J ergl. Art. Wasserstoff.
2 S. Art. Licht.