1348 Krystall.
papier erhalt man zuletzt Krystalle, welche völlig frei von derminder krvstallisirbarcn Materie sind, sofern diese in der Mit-tellauge zurückblieb. Bei dieser, besonders bei Salzen, wieSalpeter, Alaun u. s. W., häufig vorkommenden, Reinigungsweiseziehen Manche die Erzeugung kleiner Krystalle durch raschesErkälten der Erzeugung grofser durch langsames Erkälten vor,sofern im erstem Falle weniger Mutterlauge zwischen die Blätt-chen eines Krystalls eingeschlossen werden könne, und hieraufgründet sich die neufranzösische Reinigungsweise des Salpeters,Berücksichtigt man jedoch, dafs bei gleichem Gewichte solchekleine Krystalle viel mehr Oberfläche darbieten, als grölsere,dafs ihnen daher viel mehr Mutterlauge aufserlich anhängt, diesich durch Abwaschen nicht so vollständig entfernen läfst, unddafs bei sehr langsamer Krystallisation, wo die KrystalltheilchenZeit haben , sich gehörig an einander zu fügen, gerade wenigerMutterlauge in die Krystalle eingeschlossen werden möchte, somufs man mit Clement und Desoiimes 1 2 , der Einwendungenvon Longchami? 2 ungeachtet, der langsamen Krystallisirungden Vorzug geben.
Von der Mutterlauge werden öfters, besonders bei rasche-rer Krvstallisation, kleine, bei derselben Materie sehr veränder-liche, Mengen in die Blättchen des krystallisirenden Körpers alsZerfoiislerungswasset eingeschlossen. Werden solche Krystalleerhitzt und schmelzen sie nicht unter dem Siedpuncte der ein-geschlossenen Mutterlauge, so zeigen sie das Zerknistern oderDecrepitiren, sofern die aus der Mutterlauge entwickelten Dämpfemit Gewalt die Krystalle zersprengen , um sich einen Ausgangzu verschaffen. Kochsalz, durch Verdampfenlassen der wässeri-gen Auflösung bei gewöhnlicher Temperatur krystallisirt, ver-knistert nicht beim Erhitzen, heftig dagegen das durch raschesEinkochen der wässerigen Lösung erhaltene; mancher Kalkspathverknisterl, anderer nicht.
Von diesem nur zufällig in unbestimmter Menge und me-chanisch beigemengten Zerknisterungswasser ist das wesentlich,in bestimmter Menge und chemisch beigemischte Krystallwassersehr zu unterscheiden. Viele Körper nehmen nämlich bei ihremAnschiefsen aus einer wässerigen Auflösung eine bestimmte
1 Annales de Cliimie. Tome XCII. p. 248.
2 Aunales de Chiinie et Plysique. Tome IX. p. 200.