Jeder gröfste Kreis einer Kugel hat also eine Ebene von bestimm-ter Lage und Richtung, eine Axe, zwei Pole und eine beliebige Anzahlvon Parallelkreisen und Meridianen. Zur Erläuterung des liier Ge-sagten kann jeder künstliche Globus dienen.
Da man in jeder beliebigen Richtung sich einen gröfsten Kreis ge-denken kann, so kann man auch durch jede zwei Punkte, z. R. durch zweiam Himmelsgewölbe erscheinende Sterne sich einen gröfsten Kreis ge-denken und untersuchen, welcher Theil des ganzen gröfsten Kreise derscheinbare Abstand dieser Sterne ist. Der Abstand zweier solcherPunkte erscheint also an der Ilimmelskugel als ein Kreisbogen, amStandpunkt des Beobachters aber bildet er einen Winkel; undbeide, Bogen und Winkel, entsprechen einander. Es ist demnach völliggleich, welche von beiden Vorstellungen man festhält. Der Bogen wieder Winkel werden in Graden ausgedrückt;, davon der gröfs te Kreis 360hat, und für feinere Bestimmungen wird der Grad noch in 60 Minuten,so wie die Minute in 60 Sekunden gelheilt. Man bezeichnet Grade durch °,Minuten durch ', Sekunden durch ", z. B. 23° 27' 33".
Alles was wir am Himmel direkt messen oder bestim-men, sind also nothwendig solche in Theilen des gröfstenKreises (Graden u. s. w.) ausgedrückte Bogen oder Winkel,und alle Übrige, also namentlich die wirkliche Grüfse der Himmelskör-per und ihre Entfernung von uns oder von einander kann nie unmittelbarwahrgenommen, sondern immer erst durch Rechnung aus den beobachtetenWinkelgröfsen gefolgert werden*).
§• 2 .
Unter den unendlich vielen gröfsten Kreisen, die man am Himmelgedenken kann, verdienen besonders zwei hervorgehoben zu werden.Einer derselben bezeichnet die Richtung, in der sich die Erde um sichselbst bewegt und heifst, sowohl an der Erde als Himmelskugel, Äqua-tor. Nach dem vorstehend Gesagten ist nun leicht cinzusehen, dafs esfür diesen Äcpiator eine Axe, zwei Pole, sowie Meridiane und Parallel-kreise, sowohl am Himmel als auf der Erde gehen werde, und dafs sie
*) Es ist von der gröfsten Wichtigkeit für Jeden, der irgend eine Einsicht in dasVerfahren des Astronomen und in den allgemeinen Zusammenhang der Erscheinungen gewin-nen will, diesen wesc.ntUchen Umstand nie aus den Augen zu lassen. Jede angeblicheSchätzung nach linearen Gröfsen hat für Himmelskörper durchaus keinen Sinn, sie istvöllig unbrauchbar, und ich kann z. B. eben so gut sagen, der Mond erscheine mir in derGrÖfse eines Pfennigs oder in der eines Mühlrades, da es ja nur darauf ankommt, denPfennig, das Mühlrad oder irgend welchen Kreis in eine Entfernung vom Auge zu setzen,welche etwa die UOmaligc seines Durchmessers ist, um ihn eben so grofs zu sehenals den Mond, nemlich 31 Minuten (im Mittel), um ihn damit grade zu verdecken. — DieseBemerkung wurde überflüssig sein, wenn man nicht noch immer z. B. bei Beschreibung vonFeuerkugeln hören müfste, sie seien in der GrÖfse eines Hutkopfes u. dgl. erschienen.Wem Winkelgröfsen nicht hinreichend geläufig sind, der vergleiche eine solche Erscheinungder GrÖfse nach, mit dem Monde, der Sonne, dem Abstande bekannter Sterne u. dgl.Auch die roheste Vergleichung dieser letztem Art sagt doch immer Etwas, die der er-stem — Nichts.