102 Unmöglichkeit eines Vergleichs zwischen den Evangelischen u. Rom.
ein so wichtiges Stück ihrer Souverainetät zu behalten wünschen.Es wäre aber eine eviitrsckivt!« in nhecto, wollte Jemand mitdem Papste in Gemeinschaft stehen, ohne daß dieser ihn auch alsHerrn in den kirchlichen Angelegenheiten anerkennte; gleichsam wiewenn Einer ein Bürger in einem Reiche sein, und doch nicht denKönig als seinen Herrn anerkennen wollte. Ferner ist es einHauptpunkt bei der papistischcn Lehre, daß der Papst infallibelsei; denn wenn dieser verändert wird, fallt das ganze Gebäude zu-sammen. Aus diesem Punkte folgt aber, daß der Papst den Evan-gelischen in keinem einzigen Satze, worin sie bisher verschiedenerMeinungen waren, auch nur das Mindeste nachgeben kann. Denngesteht er in einem Stücke, daß er bisher etwas Falsches behaup-tet habe, so ist er nicht infallibel; und hat er in einem Stückegeirrt, so kann er auch wohl in den andern irren. Wollten aberdie Evangelischen zugeben, daß der Papst infallibel sei, so würdensie ihm auch das Uebrige alles einräumen müssen. Daß aber dieEvangelischen alles dasjenige, was sie bisher gegen den Papst lehr-ten, auf einmal widerrufen sollten, ist nie zu vermuthen. Undwollten es die Laien auch thun, was sollte die Pricsterschaft thun?und wo sollte diese mit ihren Weibern und Kindern hingehen? —Welch eine gute Intention also auch diejenigen gehabt haben mö-gen, die vordem Borschläge zu einem Ausgleiche zwischen denEvangelischen und Päpstlichen, oder, wie man es nannte, zu einemSyncretismus unter beiden gemacht haben, so liegt doch diesemGedanken nur Unkcnntniß der wahren Sachen zum Grunde, unddie Papisten konnten darüber nur spötteln; obgleich sie es wohlim Ganzen nicht ungern sahen, wenn die evangelischen Theologensich darüber stritten, weil sie (die Papisten) dabei nur gewinnen,nichts aber verlieren konnten. Denn indem die Evangelischen dar-über mit einander stritten, wurde dadurch ihr Eifer wider dasPapstthum zu kämpfen, bedeutend geschwächt. Auch konnte leichteiner, der die Sache nicht gründlich verstand, sich, wenn er vonVergleich reden hörte, wohl einbilden, es müsse denn doch der Un-terschied wohl so gewaltig nicht sein, als er wirklich ist. Undwenn sodann bei einem Solchen zu dergleichen Gedanken noch dieAussicht auf Gewinn beim Papstthume hinzutrat, so war dannwohl keine große Bedcnklichkcit mehr vorhanden, um vom cvange-