Unmöglichkeit eines Vergleichs zwischen den Evangelischen u. Rom. sgj
Seiten etwas nachgebe, und sich zu einem Glaubensbekenntnißvereinige, und das Uebrige als Nebenfragcn in die Schule ver-weise; oder so, daß man beiderseits einander bei seiner Meinunglasse, und dieser Verschiedenheit ungeachtet einander als Brüder inChristo und als Glieder einer christlichen Gemeine betrachte, schätzeund liebe. Betrachtet man nun die Sache in ihrer wahren Be-schaffenheit, und. erwägt man die Principicn des Papstes genau,so zeigt sich bald, daß ein solcher Vergleich unmöglich ist ^).Denn es kommt dabei nicht allein auf einander völlig widerstrei-tende Lchrpunkre, sondern auch noch auf andere nicht zu vereini-gende Interessen an. Erstlich verlangt der Papst die Wiederein-räumung der Kirchengüter, die natürlich die Evangelischen in demZustande, worin sie sich befinden, zu behalten wünschen müssen.Sodann verlangt der Papst, das Oberhaupt der Christenheit zu sein;die evangelischen Staaten aber müssen das zu« circa sacra, als
als eine völlige Zurückführung in die Finstcrniß vergangener Jahrhunderte,ob sie sich gleich selbst schämen mühten, jenen Ceremonieendienst vonNeuem mitzumachen, und sich vom Papst und seinen Angehörigen bemut-tern zu lassen. Bei Wielen sind durch Frömmeleien und beschränkendeDisciplin die Köpfe so verdumpft und in eine so niedrige Sphäre herab-gedrückt, daß sie den Katholicismus als etwas Schönes, und den Papstals etwas Erhabenes über sich erblicken. Alle diese werden aber von denUltramoutanen als ihr zuverlässiges Eigenthum betrachtet, und als derGrund, auf dem sie ihre Sache wieder Herrichten wollen. Und wäre zumGlück nicht ein mächtiger Einhalt geschehen, sie würden sicher schonweiter avancirt sein. — Hieraus folgt aber unter Andcrm, wie nöthig esist, der diesseitigen Kirche den kräftigen Gebrauch ihrer Waffe unbehin-dert zu lassen, und ihr Recht der Wertheidigung nicht zu schmälern, wenndie Freunde der Finsternis gern jedes Wort der Wahrheit, das sie trifft,als Calumnie betrachtet wissen möchten!
v») Und so sieht man, wie weit der ganze schöne Traum von Versöh-nung, der auch jetzt wieder aus den hochgehenden Wogen auftauchenmöchte, ausführbar sein dürfte. Nur eine Täuschung kann die Geisterblenden, die sich dieser Hoffnung hingeben möchten. Die Gründe davonentwickelt Pufendorff sehr wahr, und wir dürfen nur die Augen aufthun,um alsbald dies Werhältniß in seiner wahren Beschaffenheit zu sehen. —Weil aber die Sache nicht ging, wie man wollte, so möchte man nunvon manchen Seiten die gelinderen Töne hervorsuchen, theils um fernerUnangenehmes zu hören, theils um sich nach der ersten fehlgeschlagenenHitze zu neuen Stratagemen recolligiren zu können.