100 Unmöglichkeit eines Vergleichs zwischen Ken Evangelischen u. Rom.
V. so große Fortschritte gegen die Protestanten machte, daß er als-bald die Truppen, die er ihm zu Hülse geschickt hatte, zurückrief.Und wenn dem Könige Philipp II. sein Plan auf England gelun-gen wäre, so hatte es Sixtus V. wohl reuen sollen, ihm bei die-sem Unternehmen so eifrig geholfen zu haben. So hielt es Gre-gor XV. in der Sache wegen des Veltlins mit den Bündncrngegen Spanien ungeachtet jene reformirter Religion sind.
Und Urban VIII. sah gar nicht ungern, daß der König GustavAdolph dem Hause Oesterreich so zusetzte; ja man sagt, daß der-selbe, als Ferdinand II. von ihm das früher versprochene Geld be-gehrte, anstatt dessen dem Kaiser einen vollkommenen Ablaß fürihn und seine ganze Armee übersandt habe, damit sie nur mit gu-tem Muthe in den Tod gehen sollten. Nicht weniger machte mandamals in Rom große Augen, als Frankreich beim Ende des drei-ßigjährigen Krieges so große Fortschritte gegen Holland machte,daß es mit diesem fast aus zu sein schien. Das aber ist fortwäh-rend des Papstes Wunsch, die Protestanten durch allerhand artigeKünste wieder an sich zu bringen. Darunter gehört: daß er Unei-nigkeit unter den Evangelischen erhalt, den evangelischen Fürstenschmeichelt, die jüngern Söhne von hohen Hausern durch Würdenund Pfründen an sich zieht, daß er alle die, die zu ihm übergehen,wohl versorgt, die evangelischen Theologen nicht viel mit Bücher-schreiben angreifen, sondern sie unter sich streiten läßt und derglei-chen mehr. Offenbar ist, daß die papstliche Elerisei in neuern Zei-ten wieder bedeutend vorgeschritten, und daß sie im Stande ist,noch weiter vorzuschreiten
z. 40. Unmöglichkeit eines Vergleichs zwischen den Evangelischen und
Rom.
Aus dem bisher Angeführten kann man urtheilen, ob je eingütlicher und reeller Vergleich zwischen den Evangelischen und denPapstlichen zu hoffen sei, dergestalt, daß man entweder von beiden
Im Jahre 1624, als die Bündner, unterstützt von Frankreich,das Beltlin wieder zu erobern suchten.
") Wir brauchen nicht hinzuzusetzen, daß dies leider auch in neuestenZeiten noch der Fall gewesen ist. Es hatte wenig gefehlt, so waren dieJesuiten in Sachsen, und die päpstlichen Nuncien in andern Städten wie-der eingezogen. Es giebt nicht wenige, denen nichts willkommener wäre,