Gesinnungen des Papstes gegen die Protestanten. gg
reich zu errichten. Was jedoch vielleicht für dies Land wenigergeeignet gewesen sein würde. Denn die Clerisei würde nie damitzufrieden gewesen sein, weil sie dann Ursache gehabt hatte, zufürchten, daß der König ihre fetten Einkünfte ziemlich beschneidenwürde. Hätte ferner Frankreich Absichten auf das Kaiserthum ge-habt, so würde es ihm nicht zweckdienlich gewesen sein, sich vomrömischen Stuhle abzusondern. Denn wäre der König von Frank-reich Kaiser geworden, so würde er nicht allein die Rechte der al-ten Kaiser, die durch Stillschweigen fast erloschen waren, wiederhervorgesucht haben, von denen viele von Rom abhingen; sonderndie Verbindung mit dem römischen Stuhle würde ihm auch Ver-anlassung gegeben haben, diejenigen wieder zurückzuführen, die vonder römischen Kirche abgegangen waren. Dagegen graute demPapste jederzeit gewaltig vor einem französischen Kaiserthume, weil >dabei ohne allen Zweifel der römische Hof eine große Umgestaltungwürde erlitten haben, und weil seine Macht vielleicht so würdebeschnitten worden sein, daß er nichts als ein Patriarch gebliebenwäre. '— Das Gleiche würde er zu erwarten gehabt haben, wäreder Plan mit dem spanischen Kaiserthume in Ausführung gekom-men; wiewohl in diesem Falle auch die protestantische Religionschlecht weggekommen sein würde. Und so erhellt denn aus diesemAllen, daß es für den päpstlichen Hof nichts Vortheilhastcres gab,als fortwährend eine Eifersucht und ein Gleichgewicht zwischenden Kronen Frankreich und Spanien zu erhalten ^).
§. 39. Gesinnungen des Papstes gegen die Protestanten.
Was nun diejenigen betrifft, die vom römischen Stuhle abge-fallen sind, so wäre es dem Papste wohl lieb, wenn sie wiederunter seinen Gehorsam gebracht würden, jedoch so, daß durch ihreUnterdrückung nicht etwa irgend einer andern Macht die Flügel sosehr gestärkt würden, daß sich dann ganz Europa vor ihr zu fürch-ten hätte. Denn es ist besser, seinen Feinden das Leben zu gön-nen, als sich neben ihnen selbst an den Hals zu hängen. Sowurde dem Papste Paul III. dergestalt angst und bange, als Karl
Wir haben diese Ansichten unverändert stehen lassen, weil sie unsein Bild der Verhältnisse früherer Zeit geben, aufgefaßt im Geiste eineshochgebildeten Politikers.