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Über das Papstthum : neu bearb.
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Christliche Kirche unter Konstantin.

obschon die christliche Religion ihren Ursprung von Gott hat undüber die Vernunft geht, so kann dcnnock wohl die Obrigkeit, mitZuziehung solcher Leute, die die Sache am besten verstehen, dieoberste Aussicht und Leitung darüber führen.

Aus diesem Allen folgt also deutlich, daß man die Verfahrungs-arten der ersten christlichen Kirche in Hinsicht der äußern Leitungder Kirche selbst, keineswegs als eine allgemeine und fortwährendeRichtschnur des Kirchenrcgimcnts betrachten müsse, in einemStaate, der eine christliche und rechtgläubige Obrigkeit hat. Denndiese Versahrungsart gründete sich auf den damaligen Zustand.Seitdem nun nicht nur das ganze Volk, sondern auch die Herr-scher desselben die christliche Religion angenommen haben, hat esdamit eine völlig andere Bewandtniß, und ist keineswegs mehrnöthig, den Staat deshalb gleichsam zweiköpfig zu machen.

§. 12. Christliche Kirche unter Konstantin.

Als nun Konstantin der Große den christlichen Glauben an-genommen hatte, so bekam dadurch die Kirche eine ganz andereGestalt, und die höchste Obrigkeit war zur äußern Leitung derNeligionssachcn geeignet und fähig geworden. Dcmohngeachtetwar es nicht wohl möglich, dem äußern Kirchenrcgimente alsbaldeine solche Einrichtung zu geben, wie man es früher schonwürde gethan haben, wenn gleich anfangs auch die Beherrscherchristlich gewesen wären, und es blieben noch viel Ucberbleibscl derfrühem provisorischen Leitung übrig, aus denen später, vorzüglichin der abendländischen oder lateinischen Kirche, große Mißbräucheerwachsen sind. Denn es wollte sich nicht thun lassen, daß dieKaiser, die gleichsam noch für Anfänger im Ehristcnthume gehal-ten wurden, alsbald eine solche Gewalt in Kirchensachen ausübten,wodurch das Ansehn der Bischöfe und der Geistlichkeit, die das-selbe freilich nicht gern aufgeben mochten, hätte können eingeschränktwerden ^). Im Gegcntheil, da das Volk größtentheils aus

ximt des römischen Staates, und hatten über die Opfer zu gebieten.Dicß ist dadurch keineswegs als aufgehoben zu betrachten, weil Christusdie Opfer aufhob; sondern obschon die Regenten nicht selbst zu predigenbestimmt sein können, so haben sie doch als oberste -Behörde die Predigerzu bestimmen und über die Rcligionssachen die Aussicht zu führen, ebenwie es bei den Römern geschah.