Gründung und ältester Zustand des Christcnthums. 13
und Andere, die den gemeinen Aberglauben erkannten und verwar-fen, dennoch in dessen Abschaffung und in Einführung einer bes-sern Religion so wenig vermocht: so habe Gott die nichtige Weis-heit der Welt auf diese Art zu Schanden machen, und zeigenwollen, daß es ihm ein Leichtes wäre, durch arme und ungelehrteFischer das Werk ausrichten zu lassen. Zudem mußte auch diePredigt der Apostel bei wcltklugen Leuten deshalb Anstoß erregen,weil sie vom gekreuzigten Christus ansing, und weil sie den fürGottes Sohn und den Heiland halten sollten, der, aus einer vonihnen verachteten Nation entsprossen, sein irdisches Leben nicht ingroßem Ansehn und heroischen Thatcn zugebracht, auch nicht durchvieljähriges Lehren und Predigen sich einen weltberühmten Namengemacht hatte, sondern noch in so jungen Jahren durch einen soschmählichen Tod hingerichtet worden war. Daher auch die Mis-sionaire bei den klugen Chinesen nicht mit Christi Leiden anfangen,sondern anfänglich mit ihnen über Dinge aus der natürlichen Re-ligion sprechen, und dann erst, nach langem Umschweife, zu denArtikeln des christlichen Glaubens Übergehn. Auch könnte mansagen, es habe Gott deshalb gefallen, den gemeinen Mann früher,als die Vornehmen, aus der heidnischen Finstcrniß zu erlösen, weiljene durch diese verführt und im Aberglauben erhalten wordenseien, da diese den Betrug und die Nichtigkeit des Hcidenthumszwar wohl erkannt, sich jedoch nicht bemüht hatten, eine bessereReligion aufzustellen. Indem nun Gott zuerst das Volk vomHeidcnthumc abzog, untergrub er gleichsam den Grund diesesBaues, so daß nachher das ganze Wesen von sich selbst zerfallenmußte. Denn auf die Einfalt und Leichtgläubigkeit des gemeinenVolkes war das Heidenthum, wie auf einer Basis, gegründet.
Z. S.
Die erste Folge davon, daß das Christenthum zuerst unterdem gemeinen Manne sich verbreitet hatte, war die, daß es als-bald von den römischen Kaisern, in deren Gebiete es seinen An-fang und Fortgang großtcntheils genommen hatte, auf das Hef-tigste verfolgt und gedrückt wurde; was zunächst auch vorzüglichaus dem Umstände entsprang, daß diese nicht wußten, worauf dieseneue Religion eigentlich beruhe, oder was ihr Inhalt und End-zweck sei; wozu noch kam, daß sich die Anzahl der Christen täg-