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Über das Papstthum : neu bearb.
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Gründung und ältester Zustand des ChristcnthumS.

ß. S. Gründung und ältester Zustand des Christenthums.

Als die Apostel, von Christo selbst hierzu beauftragt, ansin-gen die christliche Religion weit und breit auszubreiten, bekamensie in kurzer Zeit viel AnHanger, sowohl unter den Juden, als an-dern Völkern, vorzüglich bei dem gemeinen Wolke, das sich bisdahin in der größten Unwissenheit befunden hatte, und überhauptsein Leben in Mühseligkeit zubrachte, daher es diese Lehre um sofreudiger ausnahm, weil es daraus großes Licht und Trost in Be-tracht der Trübseligkeit dieses zeitlichen Lebens schöpfte. Auch hiel-ten sich die Apostel, die selbst keineswegs von hohem Stande undAnsehen waren, meist zu Leuten dieser Art, weil sie bei ihnen, alsihres Gleichen, am leichtesten Zutritt fanden. Denn die Vorneh-men, Gelehrten und Staatsmanner bezeigten anfangs gar wenigLust, sich zu dieser Religion zu bekennen, noch hielten sie es derMühe werth, zu untersuchen, worin eigentlich das Wesen derselbenbestehe. Und darf man den Ursachen nachforschen, warum es dergöttlichen Weisheit gefallen habe, diesen Weg bei Gründung derchristlichen Religion einzuschlagen, so könnte man wohl sagen, daßes Gott nicht gefallen habe, diese Religion durch Gewalt und An-sehn der hohen Obrigkeit oder durch Zuthun der Gelehrten einzu-führen, damit man sie nicht für eine politische Maßregel, oder fürein philosophisches System halten sollte; sondern damit man, wennman dereinst ihr großes Wachsthum mit dem geringen Anfangevergliche, mit Gewißheit schließen sollte, es liege dabei etwasmehr, als Menschenwerk, zum Grunde; und weil auch alle Phi-losophen mit alle ihrem Scharfsinne so wenig Wahres in gött-lichen Dingen hätten aufstellen können ^), und jMst Sokrates

Thvmasius bemerkt hierbei, daß Ungelehrte oder Unstudirte dieWahrheiten streitiger Lehren gewöhnlich eher nnd besser erkennten, alsGelehrte und Stndirte, weil die letztern oft durch das ;>raoiullieiuni nu-turitnti» von der Erkenntniß abgehalten würden; so wie auch uutcr Un-studirten die Jüngern oder Männlichern dergleichen Wahrheiten eher zu-ließen, als die Aeltern, weil letztere gleichfalls zu oft durch Vorurthcilund Interesse das Rechte anzuerkennen abgehalten würden. Wir müssenjedoch dagegen auch bemerken, daß Christus, Paulus, Johannes auch Ge-lehrte waren, und daß hier nur von der anfänglichen Annahme ihrer Lehredie Rede ist, da der weitere Bau und endliche Läuterung und Reinigungder Lehre nur durch Gelehrte bewirkt worden ist.