Druckschrift 
Geneigte Ebenen mit Locomotiven-Betrieb : ein durch die Erfahrung erprobtes Mittel zur Vermeidung stehender Dampfmaschinen und zur wohlfeileren Herstellung von Eisenbahnen in Gebirgsgegenden
Entstehung
Seite
XIII
Einzelbild herunterladen
 

XIII

Es bewährte sich, daß dieser Betrieb viel einfacher und sicherer sei, als der mitHülse der stehenden Maschine. Der hinausgehende Zug mochte leichter oder schwerer seinals der hinabgehende, so konnte durch bloßes Zulassen oder Absperren der Dämpfe dieBewegung so sicher regnlirt werden, daß in allen Fällen die Fahrt und das Anhalten sehrregelmäßig von Statten ging. Die Bremsen wurden fast gar nicht mehr gebraucht, währendfrüher ein Paar Bremsklötze selten länger als zwei Tage Hielt. So besteht der Betrieb noch jetzt.

Selbst mitten in der Fahrt kann jeder Zug ohne Schwierigkeit nach Belieben halten, weilbeide Loeomotivcn zur Bewegung nöthig sind, in der Regel also jede, indem sie aufhört zu arbeiten,den Zug zum Stehen bringt und nur in seltenen Fällen dazu noch der Hülse der Bremse bedarf.Dieß ist ein nicht unbedeutender Vorzug dieser Betriebsart. Ueberhanpt hat man durch dieLocomo-tive, die sich bei dieser Anordnung in der geneigten Ebene allemal beim Wagcnzuge befindet, einegroße Gewalt über denselben, und ist Zufälligkeiten weit weniger ausgesetzt, als wenn manvon der entfernten stehenden Maschine abhängt. Auch beim Hinabführen hat man durch dieLocomotive die Bewegung des Wagenzngcs mehr und sicherer in der Gewalt, als durch dieBremsen. Es ist nicht unwichtig, daß außer den Bremsen auch die Wagen geschont, unddie Räder und Schienen weniger angegriffen werden, wenn der hinabgehende Zug, statt mitfestgcbrcms'ten Rädern zu gleiten, seine überflüssige Kraft anwenden muß, das Seil zuziehen, und so seine Fahrt ohne künstliche Hemmung ausführt.

Weitere Erfahrungen zeigten, daß die Locomotioen ans dem Wege bis zur geneigtenEbene den gehörigen Hitzgrad erlangten, der zur kräftigen Dampscrzcngung nöthig ist. Siearbeiteten munter hinaus, und waren, oben angelangt, in weit vortheilhasterem Arbcits-zustande zur Weiterfahrt, als wenn sie dort gestanden hätten, um den Zug in Empfang zu nehmen.

Es ist bei dieser Betriebsart bisher noch kein Unfall vorgekommen; das Seil und alleVorrichtungen haben sich durchaus gut bewährt. Auch die Besorgnis;, daß in Winterzeitder Betrieb durch Loeomotivcn ans der geneigten Ebene nicht gesichert sei, hat der vergan-gene Winter bereits vollständig beseitigt. Ein Schreiben des Ingenieurs Vanderschmidt,welcher das Technische des Betriebes aus der Düsseldorf-Elbcrselder Eisenbahn gegenwärtigleitet, vom 6ten Februar d. I., spricht sich solgendermaaßen über diesen Punkt aus:

Glatteis hat es einigemal gegeben, was ich durch eine Hülsslocomotive brechen ließ;auf der geneigten Ebene ist dieß nicht nöthig geworden, weil das Manöver mit den auf-und abgehenden Zügen ohne alle Hindernisse ausgeführt werden konnte."

Da nun diese Erfahrungen aus einer geneigten Ebene gemacht sind, welche zu dengrößesten und steilsten ans Eisenbahnen vorkommenden gehört und durchaus nicht für Loco-motiven-Betrieb angelegt war, so liefern sie einen um so sicherem Beweis für die Ausführ-barkeit dieser Betriebsart, als die zu den Versuchen zum Hinabziehcn am Seile gebrauchtenLocomotioen eine Constrnction für gewöhnliche Fahrten, nicht aber für einen davon ganz ver-