IX
Die Kraft der Locomotiven wirkt also bei dieser Anordnung unter noch günstigerenBedingungen als die stehender Maschinen.
Auch die übrigen Nachthcilc des Betriebes durch stehende Maschinen werden verringert.Einer schadhast gewordenen Locomotive läßt sich sofort eine andere substitnircn. Hält manein Reservescil vorräthig, so ist bei der Einfachheit der gesammten Maschinerie eine irgenderhebliche Unterbrechung des Betriebes nicht zu befürchten.
Was aber dieser Anordnung einen besonderen Vorzug vor dem Betriebe mit Seilohn e Ende giebt, ist: daß die Locomotiven durch dieselbe nicht gehindert sind, die geneigtenEbenen zn überschreiten, daß man daher, wo es nöthig ist, unbedenklich auch umritten derBahn geneigte Ebenen anlegen darf. Das Seil wird nämlich nur mit sciucn Enden an dieLocomotiven befestigt und es befindet sich kein Thcil desselben so nahe dem Fencrkasten, daßcS durch die Hitze leiden könnte. — Dieselben Locomotiven können daher die Wagenzügedurch die ganze Bahn ziehen, und der Betrieb kann im Uebrigen eben so organisirt werden,wie ans jeder anderen Bahn.
Es können dann Thälcr für die Bahnlinie benutzt, und sowohl breitere wie höhereBergrücken überschritten werden, ohne daß man gezwungen wäre, entweder kostspielige Tunnel-bautcn auszuführen, oder ein Gefälle, welches für Locomotiven-Betrieb nnvorthcilhast ist,anzunehmen, oder — wie es in gebirgigen Gegenden manchmal vorkommt, — Tnnnelbautcnund unvortheilhafte Gefälle vereinigt zuzulassen. Mit Einem Worte, es ist ein wirksamesMittel mehr gegeben zur Ausführung von Eisenbahnen in schwierigem Terrain, und in jedembesonderen Falle kann annähernd berechnet werden, ob die Anwendung dieses oder einesanderen Mittels vortheilhaster ist.
Es bleibt noch nachzuweisen, daß Locomotiven in der beschriebenen Anwendung Kraftgenug haben, um Wagenzüge, wie sie aus Eisenbahnen in der Regel vorkommen, über geneigteEbenen zu befördern.
Aus der geneigten Ebene der Düsseldorf-Elberselder Eisenbahn ist den Seilrollen derstehenden Maschine eine Einrichtung gegeben, bei welcher ein bloßer Locomotiven-Betricb gleich-zeitig stattfinden kann. Bei Einübung des Betriebs-Personales habe ich einige Beobachtungenangestellt, welche, wenn auch unvollständig, doch hinreichenden Anhalt zur Beurtheilung desEffectes von Locomotiven ans steilen geneigten Ebenen geben.
Es wurden dabei benutzt zwei Stephcnsonsche Locomotiven von 13 Zoll Engl.Cylinder-Durchmesser mit ck gekuppelten Rädern von Fuß Engl. Höhe, und eine vonDobbö und Pöttsgen in Aachen erbaute Locomotive gleichfalls von 13 Zoll Engl.Cylinderweitc, aber 5 Fuß hohen Triebrädern, welche nicht mit den anderen Rädern gekuppeltsind. Die letztere Locomotive ist nicht so schwer als die erstercn; da indeß bei den Versuchendie Ladung an Wasser und Coakö in den Tendern nicht specicll berücksichtigt wurde, so ist
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