VI?
Dieses und die Einrichtung der verschiedenen Locomotivcn-Stationen, die ein solcher Betrieberfordert, verthcnern ihn so sehr, daß eine Bahn unter solchen Verhältnissen wohl fast niereutircn möchte. Es wurde hauptsächlich aus diesem Grunde bisher sorgfältig vermieden,den geneigten Ebenen aus den für Loeomotiven-Betrieb bestimmten Bahnen eine andereStelle als am Ende der Bahn zu geben, selbst wenn hierdurch bedeutende Kosten hättenerspart werden können.
Eine in Vorstehendem noch nicht beschriebene Methode, geneigte Ebenen zu befahren,ist auf den Englischen Bahnen für Steinkohlen-Transport schon lange da im Gebrauch, wodie beladenen Wagen immer bergab gehen und nur die leeren Wagen wieder hinaus zuschaffen sind. Man benutzt für diesen Zweck das größere Gewicht der hinabgehenden bela-dencn Wagen in folgender Art.
Es befinden sich ans der geneigten Ebene zwei Bahnen neben einander. Aus dereinen ist das Seil ausgestreckt und ruht ans den vorher beschriebenen kleinen Rollen; es istam Kopfe der geneigten Ebene über ein großes Rad in die andere Bahn geführt, in welcherdas Ende wieder abwärts weiset. An diesem Seil-Ende wird der beladcne Wagcnzng befe-stigt, während an dein unteren Ende (am Fuße der geneigten Ebene) ein Zug leerer Wagenfestgemacht wird. Rollen nun die beladenen Wagen hinab, so ziehen sie vermittelst des überdas große Rad gehenden Seiles die leichteren leeren Wagen hinaus, etwa wnc zwei Eimerin einem Brunnen ans- und niedergehen, welche an einer oben über eine Rolle lausendenKette hängen. Durch Bremsen wird die Bewegung regulirt, damit die Geschwindigkeit durchdie Ueberwttcht der hinabgehenden beladenen Wagen nicht zn groß werde.
Diese Einrichtung findet selbstredend nur da Anwendung, wo die hinabgehendenWagenzüge immer schwerer sind, als die hinausgehenden, weil durch das Mehrgewicht dererstercn nicht allein die sämmtlichcn Wagen in Bewegung gebracht, d. h. ihre Reibungüberwunden, sondern auch die Kraft gewonnen werden muß, das Seil zn bewegen.
Hätten beide Wagenzüge gleiches ' Gewicht, und man brächte eine andere Kraft an,groß genug, nm die Reibung der Wagen zn überwinden und das Seil zn bewegen, sowürde diese Kraft Dasselbe thnn, was in obigem Falle das Mehrgewicht des hinabgehendenWagcnznges leistete, sie würde beide Wagenzüge in Bewegung setzen. Denkt man sich nunam oberen Ende eine Loeomotive an das Seil gespannt und am unteren einen Wagcnzng von dem-selben Gewichte, so hat man den eben beschriebenen Fall. Die Kraft der Locomotive ist mehr alshinreichend, die Reibung der Wagen zn überwinden und das Seil zu bewegen. Ihr Gewichtgleicht das des eben beschriebenen WagcnzngcS ans; setzt sich also die Locomotive abwärtsin Bewegung, so wird sie, vermittelst des über das Rad gezogenen Seiles, die Wagen indie Höhe ziehen.