182 Sonntag 44.
Frage Iii. Können aber, die zu Gott bekehret sind, solcheGebote vollkömmlich halten?
Antwort. Nein, sondern es haben anch dieAllcr-heiligsten, so lange sie in diesem Leben sind, nur einengeringen Anfang dieses Gehorsams: doch also, daß siemit ernstlichem Vorsatze, nicht allein nach etlichen, sondernnach allen Geboten Gottes anfangen zu leben.
Frage IIS. Warum läßt uns denn Gott also scharf die zehnGebote predigen, weil sie in diesem Leben Niemandvollkömmlich halten kann?
Antwort. Erstlich, auf daß wir unser ganzes Lo-bcnlang unsere sündliche Art je länger je mehr erkennen,und so viel desto begieriger Vergebung der Sünden undGerechtigkeit in Christo suchen. Darnach, daß wir ohneUnterlaß uns befleißigen, und Gott bitten um die Gnadedes heiligen Geistes, daß wir je länger je mehr zu demEbcubilde Gottes erneuert werden, bis wir das Ziel derVollkommenheit nach diesem Leben erreichen.
Der Catechismns erklärt Fr. 113 das zehnte Gebot,und gibt dann Fr. 114 und 115 Anweisung über denrechten Gebrauch des Gesetzes.
Fr.113. Das zehnte Gebot verbietet jegliche böse Lust.Diese böse Lust stehet entgegen der guten Lust an Gottund seinem Gebote. Psalm 1, 2. Ps. 37, 4.
Römer 7, 22. Ich habe Lust an Gottes Gesetz nach deminwendigen Menschen.
«- Man theilt die böse Lust ein in eine unvollkommeneund vollkommene. Verboten ist aber ebensowohl der ersteReiz zum Bösen, wie das Wohlgefallen an böser Lustund schlechten Gedanken, und vorzüglich der Entschluß zurAusführung der im Herzen genährten bösen Lust.
Jacobi I, IZ— IS. Niemand sage, wen» er versucht wird,daß er von Gott versucht werde. Denn Gott ist nicht ein Ver-sucher zum Bosen, er versucht Niemand. Sondern ein Jeglicherwird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gcreizet und ge-locköt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebierst siedie Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gelieret sieden Tod.