Frage 10t, 102. Z3Z
Unterthanen, oder sonst die Noth erfordert, Treue undWahrheit zu Gottes Ehre und des Nächsten Heil dadurchzu erhalten und zu fördern; denn solches Eidschwörcnist in Gottes Wort gegründet, und derhalben von denHeiligen im alten und neuen Testamente recht gebrauchtworden.
Frage !V2. Mag man auch bei den Heiligen oder ander»Creaturen einen Eid schwören?
Antwort. Nein, denn ein rechtmäßiger Eid isteine Anrufung Gottes, daß er, als der einzige Herzcns-kündigcr, der Wahrheit Zeugniß wolle geben, und michstrafen, so ich falsch schwöre; welche Ehre denn keinerCreatnr gebühret.
Fr. 101 wird gehandelt vom rechtmäßigen, Fr. 102 *von dem verbotenen Eide. ^
s
Bei der Lehre vom Eide kommen vorzüglich folgendesechs Punkte in Betrachtung;
I. Was ist der Eid?
II. Ist er erlaubt?
III. Was gehört zu einem rechtmäßigen Eide?
IV. Welche Eigenschaften muß derjenige haben, der ei-nen rechtmäßigen Eid schwören kann?
V. Welche schreckliche Folgen hat der falsche Eid?
VI. Wie kann man sich vor einem falschen Eide bewahren?
I. Was ist der Eid?
Der Eid ist eine feierliche Anrufung Gottes, daß er,Fr.I0I.als der allwissende Hcrzenskündiger, der Wahrheit wolleZeugniß geben, und mich strafen, so ich falsch schwöre.Die gewöhnliche Eidesformel schließt mit den Worten:So wahr mirGott helfe durchJesnm Christum,o^dcr durch sein heiliges Evangelium. Mankann einen Aussage-, Zusage-, Absage-Eid unter-scheiden. Von der ersten Art ist z. B. der Zeugen-Eid,von der zweiten der Amts-, Unterthanen-Eid u. s. w>;von der dritten der Reinigungs-Eid tl. s. w. Der Eid