Jahrtausende. In diesem Sinne wären Nalurbeschrei-bring und Naturgeschichte nicht gänzlich von einanderzu trennen. Der Geognost kann die Gegenwart nicht ohnedie Vergangenheit fassen. Beide durchdringen und verschmel-zen sich in dem Naturbilde des Erdkörperö, wie, im weitenGebiete der Sprachen, der Etymologe in dem dcrmaligenZustande grammatischer Formen ihr Werden und progressivesGestalten, ja die ganze sprachbildende Vergangenheit in derGegenwart abgespiegelt findet. In der materiellen Welt aberist diese Abspiegelung des Gewesenen um so klarer, als wiranaloge Producte unter unseren Augen sich bilden sehen.Unter den Gebirgsarten, um ein Beispiel der Geognosie zuentlehnen, beleben Trachyt-Kegel, Basalt, Bimsstein-Schichtenund schlackige Mandelsteine auf eigenthümliche Weise die Land-schaft. Sie wirken auf unsere Einbildungskraft wie Erzäh-lungen aus der Vorwelt. Ihre Form ist ihre Geschichte.
Das Sein wird in seinem Umfang und inneren Seinvollständig erst als ein Gewordenes erkannt. Von dieserursprünglichen Verschmelzung der Begriffe zeugt das elastischeAlterthum in dem Gebrauche des WortS: Historie beiGriechen und Römern. Wenn auch nicht in der Definition,die Verrius Flaccus" giebt, so ist doch in den zoologischenSchriften des Aristoteles Historie eine Erzählung von demErforschten, dem sinnlich Wahrgenommenen. Die physischeWeltbeschreibuug des älteren Plinius führt den Titel einerUistoria naturali 8; in den Briefen des Neffen wird sieedler eine „Geschichte der Natur" genannt. Im elastischenAlterthum trennen die frühesten Historiker noch wenig dieLänderbeschreibung von der Darstellung der Begebenheiten,deren Schauplatz die beschriebenen Länder gewesen sind.