38
fahrt der Nationen und auf den heutigen Zustand vonEuropa bedurfte hier nur einer flüchtigen Andeutung.Die Laufbahn, welche wir zu vollenden haben, ist sounermeßlich, daß es mir nicht geziemen würde, von demHauptziele unseres Bestrebens, der Ansicht des Naturganzen,abschweifend, daS Feld geflissentlich zu erweitern. An ferneWanderungen gewöhnt, habe ich ohnedicß vielleicht denMitreisenden den Weg gebahnter und anmuthiger geschil-dert, als man ihn finden wird. Das ist die Sitte derer,die gern Andere auf den Gipfel der Berge führen. Sierühmen die Aussicht, wenn auch ganze Theile der Gegendin Nebel verhüllt bleiben. Sie wissen, daß auch in dieserVerhüllung ein geheimnißvoller Zauber liegt, daß eine duftigeFerne den Eindruck des Sinnlich-Unendlichen hervorruft,ein Bild, das (wie ich schon oben erinnert habe) im Geistund in den Gefühlen sich ernst und ahnungsvoll spiegelt.Auch von dem hohen Standpunkte aus, auf den wir unszu einer allgemeinen, durch wissenschaftliche Erfahrungenbegründeten Weltanschauung erheben, kann nicht allenAnforderungen genügt werden. In dem Naturwisfen, dessengegenwärtigen Zustand ich hier entwickeln soll, liegt nochManches unbegrenzt; vieles (wie sollte ich es, bei demUmfange einer solchen Arbeit, nicht gern eingestehen?)wird nur darum unklar und unvollständig erscheinen, weilBefangenheit dem Redenden dann doppelt nachtheilig wird,wenn er sich des Gegenstandes in seiner Einzelheit mindermächtig fühlt.
Der Zweck dieses einleitenden Vortrages war nicht so-wohl, die Wichtigkeit deS Naturwissens zu schildern, welcheallgemein anerkannt ist und längst schon jedes Lobes
'