Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
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Darf ich mich hier der eigenen Erinnerung großerNaturscenen überlassen, so gedenke ich des Oceans, wennm der Milde tropischer Nächte das Himmelsgewölbe seinplanetarisches, nicht funkelndes Sternenlicht über die sanft-wogende Wellenfläche ergießt; oder der Waldthäler derCordillercn, wo mit kräftigem Triebe hohe Palmenstämmedas düstere Laubdach durchbrechen und als Säulengängehervorragen,ein Wald über dem Walde"'; oder des Picsvon Teneriffa, wenn horizontale Wolkenschichtcn den Aschen-kegel von der unteren Erdfläche trennen, und plötzlich durcheine Oeffnung, die der aufsteigende Luftstrom bildet, derBlick von dem Rande des Kraters sich aus die weinbekränz-ten Hügel von Orotava und die Hesperidengärten derKüste hinabsenkt. In diesen Scenen ist es nicht mehr dasstille, schaffende Leben der Natur, ihr ruhiges Treiben undWirken, die uns ansprechen; es ist der individuelle Cha-rakter der Landschaft, ein Zusammenfließen der Umrisse vonWolken, Meer und Küsten im Morgendufte der Inseln;es ist die Schönheit der Pflanzenformen und ihrer Grup-pirung. Denn das Ungemesscne, ja selbst das Schrecklichein der Natur, alles was unsere Fassungskraft übersteigt,wird in einer romantischen Gegend zur Quelle des Genus-ses. Die Phantasie übt dann das freie Spiel ihrer Schö-pfungen an dem, was von den Sinnen nicht vollständigerreicht werden kann; ihr Wirken nimmt eine andere Rich-tung bei jedem Wechsel in der Gemüthöstimmung des Beob,achterS. Getäuscht, glauben wir von der Außenwelt zuempfangen, was nur selbst in diese gelegt haben.

Wenn nach langer Seefahrt, fern von der Heimath,wir zum ersten Male ein Tropenland betreten, erfreut uns,